Calibration Mum: I Prefer Not To

DE 2023

In Calibration Mum: I Prefer Not To nutzt die Künstlerin Motion-Capture-Techniken, um die tägliche Arbeit als Mutter - wie Stillen, Windeln wechseln, Spielen oder ins Bett bringen - auf ihren digitalen Avatar zu übertragen. So entstehen Szenen, die sich ausschließlich auf den Bewegungsablauf der Handlungen konzentrieren und so die Arbeit einer Mutter isoliert zeigen, ohne sie zu exponieren.

Bereits beim Anziehen des Motion-Cap- ture-Anzugs setzt sich der Avatar schrittweise zusammen, um später vervielfacht in virtuellen Räumen zu agieren: Unsichtbare Babys werden wie am Fließband gewickelt oder Figuren schweben summend durch Wüstenlandschaften.

Die fragmentierten Bewegungssequenzen verdichten die Zeit, ohne den Bezug zur Echt- zeit zu verlieren. Über einen Zeitraum von 16 Stunden aufgezeichnet und stetig neu ka- libriert, entsteht aus einzelnen Gesten eine kollektive Choreografie. Mit wachsender Arbeitslast vervielfältigt sich der Avatar – ein Sinnbild für das schiere Ausmaß mütter- licher Care-Arbeit und die Frage, wie viele Körper zu ihrer Bewältigung nötig wären.

Ursprünglich zur industriellen Effizienz- steigerung entwickelt, wird Motion Capture hier umgewidmet, um die Mechanisierung des weiblichen Körpers kritisch zu befragen.

Das CO2-effiziente Handtaschenpferd, das langbeinige Hochwasserross, der liby- sche Algengaul und das genmanipulierte Urpferdchen: Diese vier potenziellen Pferde der Zukunft werden in Zusammenarbeit mit Paläontologinnen des UNESCO-Welterbes Grube Messel auf der Grundlage wissen- schaftlicher Erkenntnisse entwickelt. Sie sind das Ergebnis von gezielter Zucht, Gen- manipulation und Umweltveränderungen durch den Klmawandel. Als Hauptprotago- nistinnen einer 3D-animierten Videoinstal- lation bewohnen sie vier unterschiedliche zukünftige Lebensräume und stellen ihre Überlebenstaktiken vor.

3-Kanal Video 35 min
& Siebdrucke 35 min

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