Übergordnete Werke und Veranstaltungen

Amsdorf

DE 2026

Das Bild entstammt einer 2026 im mittleren deutschen Bergbaugebiet entstandenen Gemäldeserie. Diese hinterfragt Zeit auf vielfältige, sich überschneidende Weise. Die Gemälde wurden mit selbst hergestellten Pigmenten direkt aus der Landschaft geschaffen – Braunkohle aus dem Tagebau Amsdorf sowie Goethit und Hämatit, die typischerweise aus Böden in bergbaubeeinflussten Gebieten in der Lausitz gewonnen werden. Die Verwendung von Rohstoffen aus einer Landschaft, deren Entstehung Millionen von Jahren gedauert hat, ist ein Kommentar zur geologischen Zeit. Da die Landschaft jedoch durch menschliches Eingreifen entstanden ist und Schichten freigelegt wurden, die sonst unter der Erde verborgen geblieben wären, sind die Gemälde auch ein Kommentar zum Anthropozän, das durch menschliche Eingriffe in die natürliche Umwelt gekennzeichnet ist, die diese prägen und verändern. Schließlich fügt die Darstellung einer Landschaft eine dritte zeitliche Ebene hinzu: die Zeit, die der Künstler in und mit der Landschaft verbringt, um die beobachteten Elemente zu produzieren und zu abstrahieren und in eine künstlerische, malerische Komposition zu verwandeln. Für Betrachter:innen entfalten sich diese drei Prozesse in umgekehrter Reihenfolge: Zunächst nehmen sie die halbabstrakten Formen des Kunstwerks wahr und denken vielleicht über die Natur des künstlerischen Schaffensprozesses nach; bei näherer Betrachtung erkennen sie möglicherweise, dass die dargestellte Landschaft vom Menschen verändert wurde, und schließlich bemerken sie die von der geologischen Zeit geformten Erdmaterialien, die sie geschaffen haben.

Gemälde, Braunkohlepigment auf Baumwollpapier, 112 x 76 cm

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