Der zweite Blick

Root Event

Visiting Artist mit Carsten Möller
Der zweite Blick
4. 11. 2009

anwesend:

Carsten Möller (ReferentIn)

Werkleitz lädt im Rahmen von Visiting Artist zum Gespräch mit dem Künstler Carsten Möller ein.

Der Film ist Aneignung. Die Kunst der diebischen Blicke. Wir Filmemacher stehlen, ohne die Dinge von ihrem Platz zu nehmen. Und wir hinterlassen Spuren am Tatort. Jede einzelne Einstellung ist ein Bekennerschreiben: Wir nehmen mit unseren Kameras auf und projizieren im gleichen Moment. Wir werfen Blicke. Was wir wahrnehmen, füllen wir mit Neugier, Fragen und Bedeutungen. Diese Wechselseitigkeit ist magisch. Im Bild verschmelzen Idee und Wirklichkeit. Ist Filmemachen ein Privileg? Bis vor einigen Jahren war es das. Doch die Dinge sind in Bewegung geraten. In Produktion und Vertrieb vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Man kann mit einer kleinen, handlichen Kamera einen Kinofilm drehen. Der zweite Blick (Titel im Englischen: At second glance) ist nur einer dieser Filme, die noch vor wenigen Jahren nicht hätten realisiert werden können. 180 Stunden Material. Geschnitten auf einem Laptop. Die minimale Ausstattung in der Postproduktion war budgetbedingt, der Dreh mit kleiner Kamera hingegen die einzig mögliche Arbeitsweise: der Großteil der Aufnahmen entstand ohne Wissen der kubanischen Behörden. Vor allem aber ermöglichte uns der technische Minimalismus eine Nähe zu den Protagonisten, die den Dialog mit ihnen und mit einer uns unzugänglichen Wirklichkeit überhaupt erst denkbar werden ließ.

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