Ausstellung

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Werkleitz Festival 2022 Mehr oder Weniger
Werkleitz Festival 2022 Mehr oder Weniger
Ausstellung
15. 9. bis 18. 9. 2022
DE 2022
Schlackesteine
© 2022 Viktor Brim
Ansichtsskizze Hühnerstall von Gregor Müller
© 2022 Gregor Müller
Aus Sicht des Archivs
© Falk Haberkorn und Sven Johne
Filmstill aus Welt als Draht von Juliane Henrich
© 2022 Juliane Henrich
Mörtelbiene
© 2022 Felicitas Fäßler

Viktor Brim leuchtet Halden aus und scannt Schlackesteine. Über diese technischen Prozesse des Abtastens kommt er der vom Menschen geschaffenen und abgelagerten Materie näher. Ausgangspunkt für seine Untersuchungen und zugleich Titel für seine Arbeit ist Geontopower. Die hieran geknüpfte Kritik an Machtverhältnissen führt auch zu der Frage: Wer entscheidet, dass eine Gegend zur Bergbaulandschaft wird, wer entscheidet, dass aus Gestein Erz und Schlacke entstehen, und wem gehört das alles?

Am Hettstedter Maschinendenkmal beobachtete Felicitas Fäßler eine Mörtelbiene beim Bau ihres Nestes. Über mehrere Tage hat diese in einem Winkel des Reliefbildes Sandkörnchen und Lehmpartikel zusammengefügt, ein kleines Loch verschafft ihr den Zugang in das Nestinnere. Inspiriert vom Schaffen des kleinen Tieres, bringt Felicitas Fäßler die Bautätigkeit des Insekts mit dem Schaffen der Bergleute in Verbindung.

Aus Sicht des Archivs: Unter diesem Titel recherchieren Falk Haberkorn und Sven Johne in fotografi schen Beständen von Kommunal- und Kreisarchiven über die 1990er Jahre, u.a. im Mansfeld und seiner Nachbarschaft. Aus den dort vorgefundenen Ablagen lässt sich kaum ein Bild des massiven Strukturbruchs dieser Zeit ableiten. Aber es ist interessant, welche Motive damals als bedeutsam für das Archiv ausgewählt wurden.

Digitale Daten und Schlacke haben ihren Wert, sie werden gehandelt. Das Nachdenken über die Anhäufung von Daten sowie über Kupfer als Rohstoff der Verkabelung führt in die private Kammer eines fiktiven Users, der von Daten beeinflusst ist und zugleich neue Spuren zur Verwertung produziert. Unter dem Arbeitstitel Welt als Draht spekuliert Juliane Henrich über Zusammenhänge und Verknüpfungen, die sich durch das Netz verbreiten–von genialen Ideen bis hin zu Verschwörungstheorien.

Mit Hühnerstall-Ensemble rekonstruiert Gregor Müller ein raffiniertes architektonisches Gebilde, geschaffen von den einstigen Bewohner:innen der Werkleitz Herberge in der Molmecker Straße 82 in Hettstedt. Über ein Modell und Zeichnungen kommt er deren Kreativität des Mangels, handwerklichem Geschick und Gestaltungswillen näher.