Wunschökonomien

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7. Werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Wunschökonomien
7. 9. 2006

Die Medienkultur hat wichtige Funktionen der Religion übernommen, wie das Angebot von Deutungs- und Ritualisierungsmodellen. Narrative Lebensdeutung, die Auslegung von existenziellen Lebensfragen und die daran geknüpften vielfältigen Heilsversprechen werden in Medienformaten verhandelt, die vom populären Kinospielfilm über TV-Werbung und Talkshows bis hin zu interaktiven Computerspielen reichen. Medien suggerieren dabei erfolgreich das Bedürfnis nach (umgehender) Antwort ausdifferenziert bedienen zu können. Neben ihrer Vorreiterrolle als richtungsweisende Orientierungshilfe für die individuelle Alltagsbewältigung gilt in der vorherrschenden kapitalistischen Marktwirtschaft der Konsum als letzte Heilsgewissheit. Shopping wird zum verdichteten, wahrhaftigen Erlebnis, zur neuen Lebensform. Rituelle Handlungen sowie aktive Devotion gegenüber den Warenfetischen sollen in den so genannten Konsumtempeln die notwendigen Sinnkonstruktionen für die Kunden liefern: Konsum ist die rituelle Handlung, die aus allgemeinen Waren das individuelle Wahre schafft.

Die durch Medien- und Marketingstrategien vermittelten Phantasmagorien, der Glaube an die übergeordnete mediale Instanz sowie an die Wirkungsmacht des ‚Wertdings‘ können jedoch nicht über das Vakuum an Authentizität und Gefühlen hinweg täuschen. Ein Programm über den Sinn und Unsinn des (Medien-) Konsums.

(Einführung von Angelika Richter)

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