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TM ist eine generative Arbeit, die den Klang des modernen Geschäftsumfeldes durch das Telefon als Geschäftspraxis erforscht. Das Telefon wird als Medium benutzt, durch das die Außenwelt wahrgenommen wird, die Plato’ sche Höhle der Arbeitsrealität. Es dient ebenfalls als Mikrophon und eigenständige Arbeit, wie es bei Telearbeit der Fall ist. Mit der Verbreitung der Informationstechnologie in den letzten Jahren hat die Anzahl der Heimarbeiter zugenommen, deren oft einzige Verbindung zu Arbeitsumgebungen das Telefon ist. Hintergrundgeräusche am anderen Ende der Leitung sind ihre Wahrnehmung der Bürogeräusche der Außenwelt. Analog dazu produzieren Mobiltelefone Hintergrundgeräusche, die zufällig oder gezwungenermaßen Teil der Gespräche zwischen Personen werden, die sie als Hauptkommunikationsmedium benutzen. Kommunikationsströme setzen Außenstellen miteinander in Beziehung und schaffen ein paralleles Arbeitsumfeld. Das subtile Computergeräusch, magnetische Felder, Papierrascheln. Der immense Krach schwerer Maschinen in Fabriken und Baustellen: Sind sie ein Nebenprodukt, das jemand besitzen kann, und wer? Oder sind sie einfach Akustikmüll, der eigentlichen Arbeit, das Akustikleck der Industrie. Sind sie akustische Umweltverschmutzung, oder etwas ästhetisch und kommerziell Verwertbares? „Ein Hauch, der ein sehr leises Geräusch ist (…), wird hier als „ein Leck zwischen zwei Kanälen“ (Übersprechung) bezeichnet. Im Scientific American erschien ein Artikel von einem modernen Kommunikationsexperten. Er erfand praktisch die Computer. Ein Signal zwischen dem Sender und dem Empfänger wird über einen Kanal übertragen und Rauschen wird hinzugefügt, schrieb er. Ein Fall von Signalen. Gespräch zwischen Vertrauten: Übersprechung zwischen zwei Kanälen. (J. L. Godard, aus „J. L. Godard: interviews“, herrausgegeben von D. Sterritt, Mississippi University Press 1998)

TM stört sein eigenes Signal.
TM beschäftigt sich mit Besitzverhältnissen und Grenzen von Urheberrecht von Klängen im Arbeitsumfeld.
TM betrachtet die Stille zwischen Kommunikationsstömen: eine nicht-Zeit beim Warten am Telefon oder während eines Downloads. Sie führt zu einem nicht vermeidbaren Maß an Passivität, sie kann als Ineffizienz oder als Sicherheitsventil für die Menschlichlkeit des Arbeiters betrachtet werden. Identität wird ersetzt oder verkauft, Leitungen übertragen sowohl persönliche Geschichte als auch Akustikmüll. Aber dürfen Persönlichkeit und Privatsphäre Teil einer Zeit sein, in der persönliche Informationen gefälscht, verfremdet und verschlüsselt werden können?
Unterbrechungen in der Kommunikation sind eine Metapher für Arbeitslosigkeit als vorübergehende Situation, ähnlich, wie sich in einer Warteschleife zu befinden: undefinierte Zustände in denen die Einzelperson an der Teilnahme an der Gesellschaft gehindert wird.

TM ist eine re-generative Arbeit.
TM verwendet ein generatives System, um die Übersprechung zwischen Telefonleitungen zu verändern, ein Ferngesprächsempfänger in Arbeitsumfeldern. Aufnahmen aus dem Arbeitsleben des Künstlers sind ebenso Teil von TM wie auch aus dem Erstellungsprozess der Arbeit selbst. Klänge werden ständig verändert, um die gewonnene/verschwendete Zeit über die Ästhetik der ruhigen Zeiträume aufzuzeigen. „In der Natur wird nichts erschaffen, nichts zersört. Alles wird ineinander umgewandelt.“ (Lavoisier)

Emilia Telese & Tim Didymus (GB), TM, 2000

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