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5. Werkleitz Biennale 2002 Zugewinngemeinschaft
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2000-2002
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© Wiebke Grösch & Frank Metzger
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„A miniature world was here set up by itself, rigidly protected from the world outside.“ (in etwa: „Hier wurde aus sich heraus eine streng vor der Außenwelt geschützte Miniaturwelt geschaffen.“) Dieses Zitat stammt aus dem Abschlussbericht der Sommerolympiade 1932 in Los Angeles, anlässlich derer das Olympische Dorf in der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit errichtet wurde.

Aus dem damaligen Abschlussbericht geht hervor, dass mit der Errichtung, neben praktischen Gründen wie der kostengünstigen Unterbringung der SportlerInnen, auch die idealistische Hoffnung verbunden wurde, hier einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen unterschiedlicher nationaler und kultureller Herkunft kennen lernen und für einen begrenzten Zeitraum miteinander leben können, sozusagen als Beispiel für eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft im Kleinen. Das Olympische Dorf in Los Angeles war nach Ansicht der OrganisatorInnen ein voller Erfolg. Seitdem werden alle vier Jahre – seit 1992 alle zwei Jahre – in unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten Olympische Dörfer für bis zu 15.000 Menschen gebaut. Da sie während der Spiele jedoch nur für etwas sechs Wochen bewohnt werden, spielt bei der Planung dieser städtebaulichen Großprojekte vor allem die Frage der Nutzung nach den Spielen, z. B. im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus, der Stadterweiterung oder der städtischen Umgestaltung eine wesentliche Rolle. Aufgrund des internationalen Interesses an den Olympischen Spielen hat das Olympische Dorf Modellcharakter. Dementsprechend wird versucht, einen repräsentativen, modernen Stadtteil zu realisieren, quasi als Vorbild für eine „ideale Stadt“ im Sinne des jeweils aktuellen Architektur- und Städtebau-Diskurses, die sowohl während der Spiele als auch in der Nachnutzung ihren Zweck beispielhaft erfüllt.

In den Medien und im Jargon des Internationalen Olympischen Committees (IOC) wird das Olympische Dorf gern als „Dorf des Friedens und des Miteinander“ und als „Global Village“ bezeichnet. Doch dem idealistischen Bild einer von nationalen und kulturellen Grenzen befreiten Miniaturwelt steht der hohe sicherheitstechnische Aufwand gegenüber, der während der Spiele betrieben wird, um Störungen von außen fern zu halten. (Hierin sind sie vergleichbar mit „Gated Communities“, abgegrenzten und von privaten Sicherheitsdiensten bewachten Wohngebieten mit homogener Bewohnerschaft.)

Die Isolierung des Dorfes während der Spiele kann eine Ghettoisierung des Dorfes und seiner BewohnerInnen nach den Spielen zur Folge haben. Das Olympische Dorf der Winterspiele 1980 in Lake Placid / USA treibt den Aspekt der Isolation auf die Spitze. Es wurde, da absehbar nach der Olympiade kein Bedarf an Wohnraum bestand, als Bundesgefängnis geplant und wird noch heute als solches genutzt. Allgemein können die Olympischen Dörfer als Beispiele für großangelegte städtebauliche Projekte herangezogen werden. An ihnen lassen sich exemplarisch die städtebaulichen Entwicklungen und Utopien des 20. Jahrhunderts (von der Gartenstadt der 20er/30er Jahre über die „Wohnmaschinen“ der 60er Jahre und die „Urban Renovation“ der 90er Jahre bis hin zum derzeit diskutierten „New Urbanism“) verfolgen und man kann ablesen, inwieweit sich die utopischen Ansprüche, die der Planung zugrunde liegen, in der Nachnutzung bewähren.

Wiebke Grösch & Frank Metzger, Installation aus Fotografien, Archivmaterial, Displayelementen und Videoarbeit, 2000-2002. Ausstellungsort: Sporthalle Werkleitz.

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