Melonenfeld - mantis religiosa

Root Event

1. Werkleitz Biennale 1993 Tapetenwechsel
Melonenfeld - mantis religiosa
DE 1993
Melonenfeld - mantis religiosa © Christine Biehler
Melonenfeld - mantis religiosa © Christine Biehler

Die mantis religiosa, genannt die Gottesanbeterin, ist eine Fangheuschrecke, die ihre Opfer mit ihren Vorderbeinen einzwängt, bisweilen mit Schlägen traktiert und durch Bisse tötet. Des öfteren kommt es vor, dass nach dem Begattungsakt das Männchen von dem dickleibigen Weibchen gefressen wird.

In fünf kniehohe hellblaue Plüschkissen ist jeweils ein Monitor mit der Schaufläche nach oben eingelassen. Darauf taucht jeweils eine in den Bildausschnitt exakt eingepasste Wassermelone aus dem Weiß auf; zwei große Messer beginnen in die grüne Frucht einzudringen und sie dann Stückchen für Stückchen zu zerlegen. Akribisch wird die Melone zerkleinert, bis nur noch rotes Fruchtfleisch die Bildfläche einnimmt. Hände sind dabei nie zu sehen. Die Messerspitzen verschwinden, es wird ins Weiß ausgeblendet.

Dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder, mal beschleunigt, mal verlangsamt. Die Zeitlupe und der Zeitraffer bewirken, dass das beim Schneiden und Abbrechen der Fruchtstücke entstehende, nun laut abgespielte Geräusch verfremdet ist und sich hektische Töne mit dumpfen, schweren Schlägen verbinden. Es klingt wie in einer Werkhalle: beim „Schlachtfest auf dem Melonenfeld“ wird stetig gearbeitet.

Melonenfeld - mantis religiosa mag einerseits Assoziationen wie die Ausbeutung der Weltkugel, blutiges Kriegsgemetzel, den Geschlechtsakt oder die Automatisierung unseres Lebens provozieren, andererseits hat der stets nachwachsende Fruchtgarten in Zeitraffer und in seiner klarer Form comichafte Züge: wie im Zeichentrickfilm wird lustvoll zerstört und zerlegt und im nächsten Bild wieder aufgestanden: „the show goes on“.

(C. Biehler)

Video­installation, 5 Farbmonitore, 5 Videoplayer

Explore

Überveranstaltung