Kodf fofomt Ton

Root Event

3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction

Parent Event

Kodf fofomt Ton
D 1998
Kodf fofomt Ton
Kodf fofomt Ton
Kodf fofomt Ton

Kodf fofomt Ton: Performance, 27 min, Konsum, Internet-Raum in Tornitz

Wir kauern unter Computertischen auf dem Boden und verformen dabei durch ausschließliches Einwirken mit dem Schädel kopfgroße Tonkugeln.

„Der Kopf ist rund und dumm.
Er nimmt nur wahr, was kommt und geht,
nicht aber, was bleibt.
Man kann ihn allerdings sehr gut in weichen Ton stoßen,
um Skulpturen herzustellen.“ I. K.

„es gibt kein hartes leben im weichen.“ S. B.

In dem Versuch, den verschiedenen Ansätzen der Performer und Performerinnen eine begrifflich gestützte Betrachtung und Leserichtung zu geben, hat ASA-European in dem Papier „Culture of Performance Art“ eine Liste von Bezeichnungen gesammelt, die die Künstler für ihre Arbeit nutzen, sie darauf beziehen. Zum Teil sind diese Begriffe bereits kunsthistorisch besetzt, sind Leitlinien geworden. z. B.: moving sculpture, public sculpture, body art, body works, rituelle Plastik, expanded performance. Im alten Konsum des Ortes Tornitz, Hauptsitz der Werkleitz Gesellschaft, fand nach der Eröffnung die erste Performance durch Ingolf Keiner und Stefan Berchtold statt. In dem Raum, der durch die in der länglichen Mitte plazierten Tische für die Internetpräsentation beengt war, lagen Tonkugeln in Kopfgröße unregelmäßig verteilt, zum Teil zwischen den Füßen der anwesenden Gäste. Die beiden Performer traten durch die Tür in den Raum und jeder kniete sich nieder und begann mit dem Kopf, eine der Kugeln zu bewegen. Aus der Bewegung heraus wurde schnell sichtbar, daß die Intention ein skulpturaler Gestaltungsvorgang war. Kneten, rollen, drücken, anheben, Oberflächen strukturieren usw. Die nur mit der Stirn ausgeführte, direkte Berührung des Tons erforderte eine zum Teil gymnastische oder akrobatisch wirkende Körperhaltung, Kopf und Leib als skulpturale Handlung. So wurden nach und nach die Kugeln durch den Raum bewegt, nahmen Gestalt an und wurden aus einer Entscheidung heraus als Relikt verlassen, um sich der nächsten Kugel zuzuwenden, bis alle Kugeln bearbeitet waren. Die entstandenen skulpturalen Formen waren nicht der Zweck der Arbeit, meines Erachtens sind die danach gestellten Fragen: ob nun diese Formen gebrannt werden, ob sie ausgestellt werden etc. hinfällig. Da liegt auch die Sollbruchstelle, besteht eine Intention zur Produktion oder wird diese vermieden zugunsten der puren Handlung. Von Sartre stammen Sätze über Hände, die sich auf die Arbeiten von Wols und Giacometti beziehen. Die Handtellerspiele, die Skulptur in dem Vorgang des Entstehens. Die BODY ART in den sechziger Jahren begrifflich gefaßt, ist Performance im Geiste der Skulptur.

Autor des Textes

Boris Nieslony

Stefan Berchtold & Ingolf Keiner (D), Kodf fofomt Ton, Performance, 27 min, 1998

Explore