Der zweite Blick

Root Event

Visiting Artist mit Carsten Möller
Der zweite Blick
4. 11. 2009

anwesend:

Carsten Möller (ReferentIn)

Werkleitz lädt im Rahmen von Visiting Artist zum Gespräch mit dem Künstler Carsten Möller ein.

Film ist Aneignung. Die Kunst der diebischen Blicke. Wir Filmemacher stehlen, ohne die Dinge von ihrem Platz zu nehmen. Und wir hinterlassen Spuren am Tatort. Jede einzelne Einstellung ist ein Bekennerschreiben: Wir nehmen mit unseren Kameras auf und projizieren im gleichen Moment. Wir werfen Blicke. Was wir wahrnehmen, füllen wir mit Neugier, Fragen und Bedeutungen. Diese Wechselseitigkeit ist magisch. Im Bild verschmelzen Idee und Wirklichkeit. Ist Filmemachen ein Privileg? Bis vor einigen Jahren war es das. Doch die Dinge sind in Bewegung geraten. In Produktion und Vertrieb vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Man kann mit einer kleinen, handlichen Kamera einen Kinofilm drehen. Der zweite Blick (Titel im Englischen: At second glance) ist nur einer dieser Filme, die noch vor wenigen Jahren nicht hätten realisiert werden können. 180 Stunden Material. Geschnitten auf einem Laptop. Die minimale Ausstattung in der Postproduktion war budgetbedingt, der Dreh mit kleiner Kamera hingegen die einzig mögliche Arbeitsweise: der Großteil der Aufnahmen entstand ohne Wissen der kubanischen Behörden. Vor allem aber ermöglichte uns der technische Minimalismus eine Nähe zu den Protagonisten, die den Dialog mit ihnen und mit einer uns unzugänglichen Wirklichkeit überhaupt erst denkbar werden ließ.

Kurzvita: Carsten Möller (geboren 1970) studierte 1995 bis 2000 Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) und absolvierte im Anschluss ein zweijähriges Meisterschülerstudium bei Prof. Alba D’Urbano. 2002 wurde er technischer Mitarbeiter der HGB Leipzig und gestaltete den Aufbau des Videobereiches im neugegründeten audiovisuellen Labors der Hochschule. Seit 2008 ist Möller künstlerischer Mitarbeiter, leitet den Videobereich des AV-Labors und unterrichtet dort Montage, Drehbuch und Kamera. Seit 1992 realisiert er eigene Filme, für die er selbst auch die Drehbücher schreibt. Im Zuge seiner Lehrtätigkeit an der HGB lektorierte er im Laufe der vergangenen Jahre zahlreiche studentische Drehbücher.

Explore

Überveranstaltung