Das Kabinett der neuen Abteilungsleiterin

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4. Werkleitz Biennale real[work]
Das Kabinett der neuen Abteilungsleiterin
DE 2000
© Thomas Bruns
© Thomas Bruns

Unsere Vorstellung von Arbeit ist nicht nur durch die Idee der Erwerbsarbeit dominiert. Sie konzentriert sich auch auf eine an festgelegte Zeitabläufe gebundene Tätigkeit innerhalb einer Betriebsstruktur. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Arbeit im Haushalt und die Betreuung von Kindern oder Familie wenig Anerkennung findet und weshalb eine Einbindung von erziehenden Müttern in andere Arbeitsfelder nicht machbar erscheint. Frauke Gerhard hat ihr eigenes Leben als Ausgangspunkt genommen und ihren Beruf als Künstlerin und Mutter in einem Projekt umgesetzt, in dem sich diese Widersprüche überwinden ließen. Sie übernahm die ‚Patenschaft‘ für einen vernachlässigten Spielplatz in ihrer unmittelbaren Kölner Nachbarschaft und initiierte dort das auf „gemeinnütziger, generationsübergreifender Kunst- und Kommunikationspraxis“ basierende Projekt COMTAINER STATION. Unter Einbeziehung der Nachbarschaft organisierte sie Ausstellungen, Pflanzungen und informelle Möglichkeiten des Austausches und des Gesprächs. Die von ihr aufgestellten Container und der Spielplatz dienten als Atelier und Gerätemagazin, Garten und Treffpunkt.
Ihre Illustrationen thematisieren diese Erfahrungen in anderer Form, sehr viel persönlicherer und intimerer und gleichzeitig radikalerer Form. Das „Kabinett der neuen Abteilungsleiterin“ ist ein Ausschnitt aus einer über den Zeitraum von fast 10 Jahren entstandenen Dokumentation und Reflektion der eigenen Haltung. Praktische, alltägliche Erfahrung wird hier in provozierend spirituelle, durch die Bildsprache von Weiblichkeit, Mutterschaft und Erdverbundenheit dominierte Bilder umgesetzt. In diesen spielen nicht nur der Glaube an das Machbare, an die Kraft eigener Intuition, an die Bedeutung von Momenten der Andacht jenseits von Konfession und an die Übernahme von Verantwortung eine Rolle, sondern auch die Erfahrung von nicht hierarchisch organisierten Arbeitszusammenhängen und der erfolgreichen Vermittlung von Ideen. Angelehnt an Ikonenmalerei und Stundenbuch-Illustrationen malt sie die Abteilungsleiterin - ihr alter ego - ein blauer Arbeitskittel, der an die Stelle des Umhangs der Madonna tritt. In den Bildern wird die Notwendigkeit der ständigen eigenen Erneuerung deutlich. Die Abteilungsleiterin gebiert immer weitere ‚Blaumänner‘, die wiederum Arbeitsanzüge anziehen und so symbolisch Initiative und Arbeitseinsatz übernehmen.

Frauke Gerhard, DE 2000, Das Kabinett der neuen Abteilungsleiterin

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