Waking Life

Waking Life
US 2001

Der Film folgt einem namenlosen jungen Mann (Wiley Wiggins) durch etwas, was ein Traum zu sein scheint oder vielleicht eine weniger objektive Realität als das, was wir allgemeinhin als Realität verstehen – etwas viel Ungewisseres. Seine Reise beginnt an einer Bushaltestelle, wo er, statt ein Taxi zu nehmen, per Anhalter bei einem Typ einsteigt, der einen bootähnlichen Wagen fährt. Sofort finden wir uns in einer Reihe von philosophischen Gesprächen wieder, die den Film durchziehen, denn der Mann mit dem Boot-Auto beschreibt seine Windschutzscheibe als ein Fenster zur Welt: Er finde nicht alles, was er sehe, okay, aber er akzeptiere es. Er fügt hinzu, dass jeder in seinem Leben eine Schachtel mit Buntstiften erhält. Manche kriegen eine Packung mit acht Stiften, andere eine mit sechzehn Stück, aber es kommt nicht auf die Schachtel an, sondern eher darauf, wie wir damit umgehen: Man soll Farben außerhalb der üblichen Grenzen benutzen und außerhalb der Schachtel nachdenken, darauf besteht er.

Je weiter der Film fortschreitet, desto mehr interessante Figuren lernen wir nacheinander kennen. Jede hat ihre eigenen Ansichten über Realität, das Menschsein, Philosophie und Theologie: ein Professor, der den Existenzialismus als eine Philosophie der Hoffnung beschreibt; ein junges Liebespaar, das über den Gedanken nachsinnt, dass ihr Leben nur die Erinnerung von anderen in den letzten Augenblicken ihres Lebens sein könnte; zwei Männer, die über Film diskutieren und darüber, dass die Bilder auf der Leinwand eigentlich Gott sind, da die Schöpfung das Bild Gottes reflektiert; ein Mann, der die Straße entlang fährt und dabei seine Ansichten zu Kapitalismus und Konsum über einen Lautsprecher herausposaunt.

Waking Life stellt sich ‚normalen’ Perspektiven auf Realität, Objektivität und Gewissheit entgegen. Die Figuren stellen Konzepte in Frage, die die meisten Menschen sich scheuen zu hinterfragen. Aber auf diese Fragen gibt es keine Antworten; sie führen nur zu weiteren Fragen. Keiner der Charaktere hat Gewissheit, aber alle sind neugierig. Roger Ebert fasst die Essenz des Filmes mit seinem Statement großartig zusammen: „Er (der Protagonist) befasst sich mit Konzepten, dem Glauben an bestimmte Dinge, Vernunft, Verrücktheit. Die Menschen versuchen zu erklären, woran sie glauben, aber er wird davon überwältigt, bis er schließlich versteht, was die Antwort ist – Neugier. Keine Antworten zu bekommen, ist zumutbar. Keine Fragen zu stellen, ist ein Vergehen am eigenen Verstand.”

US 2001, 99 min, 35 mm, engl

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