VOICE

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3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction
VOICE
DE 1998

Voice“ ist eine Videoinstallation, die in Werkleitz und Tornitz gesammelte Bilder und Töne verwendet, um Aspekte von Kommunikation, Sprache und Übersetzung zu thematisieren. Die Arbeit wirft die Frage auf, ob Übersetzung wahr und präzise sein kann. Wenn wir auf die Untertitel eines Filmes angewiesen sind oder einen Roman in der Übersetzung lesen, gehen wir davon aus, daß sich hier die Stimme der Wahrheit und Autorität artikuliert; so wie wir auch auf den Wahrheitsgehalt von Nachrichtensendungen bzw. Dokumentarfilmen vertrauen. Wenn diese Stimme nun aber nicht die Wahrheit übermittelt? Wenn die LeserInnen bzw. HörerInnen nicht beide Sprachen verstehen, müssen sie dem Übersetzer vertrauen. Übersetzung ist dann vielleicht die Verdichtung von Subjektivität. Schon die Kommunikation in einer gemeinsamen Sprache birgt eine Vielzahl von Interpretationen und Mißverständnissen; umso bedeutungsschwerer und gebrochener wird sie, wenn sie auch noch der Übersetzung bedarf. Wie karg oder blumig, wie wörtlich oder poetisch der Übersetzer auch sein mag – wie nahe können wir dem Original überhaupt kommen?

In „Voice“ geht es auch um Abstraktion. Was bleibt, wenn wir den Bedeutungsgehalt einer Unterhaltung eliminieren? Klang. Wenn man die Sprache, die gerade gesprochen wird, nicht versteht, wird sie sehr schnell zu einer Collage aus abstraktem Geräusch und Struktur. So betrachtet, kann das Nicht-Verstehen einer Sprache einen befreienden Effekt haben – man braucht sich nicht mehr (bzw. man kann erst jetzt) sich auf den Gehalt des Dialogs konzentrieren. Der Klang ist es, der jetzt in den Mittelpunkt rückt. Wenn man eine Sprache versteht, wird es äußerst schwierig, diese Art von Abstraktion zu leisten.

Mit einem Sampler hat Jessica Curry die Klänge, die sie aufgenommen hat, manipuliert. D. h. Wörter gespalten, umgedreht und neu zusammengesetzt und so „Wahrheit“ und Bedeutungsgehalt von Unterhaltungen transformiert.

„Voice“ funktioniert auf zwei Ebenen: als gesellschaftliches Dokument, das eine ganz bestimmte Zeit und einen ganz bestimmten Ort aufzeichnet, und als digitales Kunstwerk, das Bild und Klang ganz wunderbar vereint.

Jessica Curry (GB), Voice, 1998

 

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