Valse Sentimentale

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Valse Sentimentale
BE 2006

Aber wie Massumi sagt: „Es gibt Anwendungen der Sprache, die die fehlende Übereinstimmung zwischen Sprache und Erfahrung auf eine Art in den Vordergrund rücken, die das ‚Zuviel‘ der Situation – ihre Aufladung – vermitteln können, und zwar so, dass tatsächlich neue Erfahrungen ermöglicht werden.“3 Der belgische Künstler Tom Hillewaere zeigt diesen einmaligen Versuch auf die zarteste Weise in seiner Installation Valse Sentimentale. Zur bewegenden Musik von Tschaikowskys Valse Sentimentale, gespielt von Clare Rockmore auf dem Theremin, schwebt ein weißer Ballon, an dem ein einfacher schwarzer Filzstift mit einer Schnur befestigt ist. Umgeben von Ventilatoren, schwingt der Ballon leicht über einer großen weißen Oberfläche, auf die er einfache Linien zeichnet, während er den Raum durchquert. Während wir den Bewegungen des Ballons zuschauen, werden wir uns schnell bewusst, dass wir etwas in seine stille Kommunikation auf Papier investieren, und der Ballon wird schnell personifiziert, während wir auf seinen nächsten Strich mit dem Filzstift warten. Dieser poetische Ausdruck, eine der Formen der Sprache, die Massumi als potentiell transformativ beschreibt, hinterlässt Spuren der Existenz, diese kleinen Zeichen unserer persönlichen Überzeugungen, die wunderschöne Markierungen unserer Auseinandersetzung mit der Welt sein können. In diesem Fall zeichnet uns die Freude, die wir empfinden, wenn wir etwas sehen, das von der persönlichen Erfahrung eines Menschen oder einer Sache zurückbleibt, und geht über den introspektiven, distanzierten Ansatz des ästhetischen Moments hinaus.

(Jan Schuijren, Angela Plohman: Spuren des Nächsten)

Tom Hillewaere, BE 2006, Installation, Holz, Ventilatoren, Ballon, Stift, Sound
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