Unbehagen (Institution)

Root Event

Videokunst- und Kurzfilmfest Facing the Artwork
Unbehagen (Institution)
12. 6. 2011

anwesend:

Déborah Ghisu (KünstlerIn)
,
Jirí Janda (KünstlerIn)
,
Hacer Kiroglu (KünstlerIn)
Noise © Zoran Todorovic

Das Programm umfasst fünf Videos, welche die Rolle des Betrachters, des Teilnehmers, des Künstlers (Regisseurs) und des Performers ineinander blenden. Das einzige Video, das thematisch heraussticht, ist „Untitled“ von Hacer Kiroglu (2007). Es zeigt, wie die Künstlerin damit beginnt, sich die Zähne zu putzen und im Folgenden in einem äußerst schmerzhaften Prozess ihre Wangen und ihr gesamtes Gesicht schrubbt. Die ganze Szene erscheint wie ein Sprechakt ohne Sprache, wie eine schmerzhaft, schwer zu ertragende Art zu sprechen ohne Worte. Dabei wird die Frage nach der Möglichkeit zu Sprechen gestellt, im Besonderen innerhalb der Kunst als Institution und der Kunstinstitutionen.

Das Video „Dualität“ (Jiri Janda, 1999) ist durch eine Atmosphäre geprägt, welche eine schmerzvolle Rezeption hervorruft. Wir sehen die Dokumentation einer Kunstaktion aus den 90er Jahren, in welcher der Künstler eine weibliche Skulptur mit einer Feile entzwei teilt.  Das Publikum im Video ist, wie wir selbst, unsicher, ob es sich bei der Aktion um den Zerstörungsakt eines Kunstwerkes oder ein eigenständiges Kunstwerk handelt. Außerdem stellt es das erwartete Verhalten in Bezug auf Kunst als Institution und die Möglichkeiten in dieser Aussagen zu tätigen, infrage. Das Video „Cultural Guide“ (Deborah Ghisu, 2009) erforscht weiter die Konventionen von Kunst als Institution und Kunstinstitutionen und bringt gleichzeitig Unbehagen in unsere eigene Position als Zuschauer.

In „Escalating Perception/The Gaze“ (Christian Niccoli, 2004) werden wir aus unseren bequemen Kinosesseln auf eine Rolltreppe geholt, die sich parallel zu einer anderen Rolltreppe befindet, auf der Performer auf- und abfahren. Die scheinbar desinteressierten Passanten beginnen plötzlich, uns mit Aussagen zu konfrontieren, die aus Partneranzeigen stammen könnten. Wir werden angeregt, über uns als Individuen in den institutionalisierten und stereotypen Rollen in Beziehungen, Ehen etc. nachzudenken. In Zoran Todorovic’s „Noise“ wurde Passanten auf der Straße, Patienten einer Psychiatrie und Häftlingen in einem Gefängnis eine Stimme gegeben. Sie sprechen zum Künstler selbst und zum Publikum (uns) statt anders herum. Ihre Geschichten enthüllen das tiefgreifende menschliche und politische Drama vom Serbien der 1990er Jahre.

Text von

Radmila Joksimovic

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