The Praying Project

Root Event

werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
The Praying Project
US 2005

Das Gebet ist eine zentrale Handlung vieler Religionen. Es versinnbildlicht die Kommunikation mit der Gottheit und mentale Introvertiertheit mit einem Erlösungsversprechen. Das Gebet als spirituelle Praxis war Gegenstand des Praying Project initiiert von Papo Colo, Künstler und Mitgründer von Exit Art, einer freien und privaten Kunstinstitution in New York. Im April 2005 luden Papo Colo und Jeanette Ingberman Performance-Künstler der Trickster Theatre Group ein, ihre privaten Vorstellungen von spirituellen Ritualen zu entwickeln und öffentlich – entgegen der eigentlichen Tradition des Gebets – in einer kollektiven Aufführung zu präsentieren. Drei Tage lang wurden 21 ausgewählte Performances simultan in den acht Fenstern der Galerie aufgeführt; manche dauerten eine halbe Stunde, andere sogar sechs Stunden. Die Unterschiedlichkeit der Aufführungen hätte nicht größer sein können und reflektierte den großen Spielraum der pluralisierten religiösen Lebenswelten mit ihren individuellen Ritualen wieder. Die Initiatoren beschrieben die Aktion als eine der beeindruckendsten und stärksten Aktionen in der 25-jährigen Geschichte von Exit Art.
Hintergrund der Aktion war die neue Bewertung von Religiosität und Religion in Bush’s Amerika, die in ihrer politisch motivierten christlichen Moral- und Freiheitsrhetorik einen exkludierenden Tonus entwickelt hat. Dem wollte Exit Art eine ganz private Reaktion entgegensetzen, in der das aktuelle Bedürfnis nach Spiritualität ausgelotet und ihm als soziokultureller Ausdruck Raum und Stimme gegeben werden konnte. „Die Praxis des Betens hat ein Ziel, als intimer Ausdruck ist sie heilsam und schöpferisch. Das Gebet ist möglicherweise die intimste und tiefgründigste unserer Ausdrucksmöglichkeiten. Entdecke deine ganz eigene Art des Betens – privat, öffentlich, intensiv, erhaben, verletzlich oder kraftvoll.“ heißt es im Call-Out der Galerie.

(Anke Hoffmann: Glaubenssysteme zwischen Medien, Markt und Menschen)

Colo Papo, US 2005, Video-Dokumentation, 16 min
Courtesy the artists

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