The Family

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5. Werkleitz Biennale 2002 Zugewinngemeinschaft
The Family
DE 2002

Globalisierungskritische Bewegungen bemängeln den - logisch notwendigen – Zusammenhang von freiem Waren- und Geldfluss gegenüber den Einschränkungen der Migrationsmöglichkeiten. Dabei wird in der Regel übersehen, dass sowohl globale Produktion und Handel als auch die Migration der Ware Arbeitskraft und der staatliche Versuch, sie zu regulieren, immer schon charakteristische Erscheinung kapitalistischer Gesellschaftsformen sind. Wie gestalten sich konkret die Büroarbeitsplätze einer bedeutenden Nachrichtenagentur, in der schon seit Jahrzehnten auf globaler Ebene just-in-time Zeichen und Bilder als immaterielle Güter von einer multinationalen Belegschaft für einen grenzenlosen Markt mit schrankenloser Distribution produziert werden?

Die Fotoarbeit von Christine Lohr dokumentiert den Versuch der Medien ArbeiterInnen, sich ihre auf Effizienz geplanten Arbeitsumgebungen anzueignen, die einerseits der Kontrolle eines modernen Computernetzwerks unterliegen, andererseits innerhalb so genannter flacher Hierarchien der persönlichen Aufsicht durch den/die Vorgesetzte/n ausgesetzt sind. Die Künstlerin wird zur Spionin. Der Blick fällt auf archaische Formen der Herstellung individueller Subjektivität durch Nationalfähnchen, Plastiksouvenirs und anderen Nippes. Durch private Fetische werden inmitten der glamourösen Hightech Umgebung Dioramen eines klassischen Büroarbeitsplatzes in seiner bekannten Tristesse arrangiert.

Autor des Textes

P. Peche

Christine Lohr, 8 Fotografien auf Polystyrol, 50x70 cm, Text (2002). Ausstellungsort: Konsumgebäude, Tornitz.

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