The Black Room

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The Black Room
NL 2006

In dem Film The Black Room verfasste der niederländische Künstler Melvin Moti ein fiktives Interview mit dem französischen Surrealisten Robert Desnos (1900 –1945) über die obskuren Séancen, die im Februar 1923 in Paris stattfanden und bei denen in einem hypnotischen Schlafzustand Schreibexperimente unternommen wurden. In dem Film ist das Interview zu hören.

Robert Desnos war für außerordentliche Fähigkeiten bekannt, besonders für „eine natürliche Anlage zur Selbsthypnose“, sogar am helllichten Tag, und für seine Versuche, im Schlaf zu schreiben. Während dieser Phasen schrieb er offenbar Gedichte und ganze Erzählungen, wie Simone Breton festhielt. Die Hypnoseschlaf-Séancen waren intensive Experimente, fanden jedoch nur ein Jahr lang statt, da eine Reihe der Surrealisten – so auch Desnos selbst – eine Abhängigkeit von ihnen und zudem Schlaf- und Essstörungen entwickelten. Ganz zu schweigen davon, dass Desnos mit einem Messer auf den Schriftsteller Paul Eluard losging. Letzteres brachte André Breton dazu, die Hypnoseschlaf-Séancen nicht weiter fortzuführen.
Die mit langsamer Kamerabewegung aufgenommen Bilder des Films erkunden die Wände der römischen Villa Agrippa in der Nähe von Pompeji (8). Sie zeigen ,naturgetreue‘ Illustrationen, die in einer endlosen, ,unwirklichen‘ schwarzen Leere schweben und aus dem ,Schwarzen Raum‘ der Villa stammen. „Dieser neue Stil, der in Pompeji aufkommt, markiert den Übergang von der realistischen Illusion hin zu einer imaginären und ungreifbaren Darstellung der Welt, vom Trompe l’oeil zur Magie.“ (9)
Spirituelle Phänomene und die Erkundung der Frage, wie Erfahrungen übermittelt und rekonstruiert werden, spielen eine wichtige Rolle in Melvin Motis Arbeit. Moti ist wohl vertraut mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem im 19. Jahrhundert aufkommenden Spiritualismus und veröffentlichte zudem in jüngster Zeit The Biography of a Phantom (2006). In diesem Buch befindet sich eine sorgfältige Rekonstruktion der zahlreichen Erscheinungen Katie Kings, des ersten in England offiziell anerkannten Mediums, über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren. Ihre erste dokumentierte Materialisierung fällt in das Jahr 1852.

8 Die Wände wurden bei der Ausgrabung der Villa Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt. Sie werden im Museo Archeologico Nazionale di Napoli und im Metropolitan Museum of Art aufbewahrt.

9 Thomas Michelon, The Black Room, Stedelijk Museum Bureau Amsterdam, 2005.

(Solvej Helweg Ovesen: Der Thron bleibt leer)

Melvin Moti, NL 2006, 16mm auf DVD, 24 min
Courtesy the artist

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