Materielle Hinterlassenschaft. Bemerkungen zur Betrachtung von Sachkultur

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Materielle Hinterlassenschaft. Bemerkungen zur Betrachtung von Sachkultur

Die Dinge des täglichen Lebens sind ein integraler Be- standteil der Kultur. Sie spiegeln viele ihrer anderen Berei- che wider, wie z. B. Lebensumstände, Essgewohnheiten, materielle Verfügbarkeit etc. Im täglichen Umgang werden die Gegenstände, die uns bei jeder Handlung begleiten, so selbstverständlich, dass wir sie nicht in Frage stellen. Erst der zeitliche – oder räumliche – Abstand lässt uns die Dinge neu erken- nen und erfassen, erst aus der Distanz werden alltägli- che Dinge zum Gegenstand weiterer Überlegung. In der Archäologie wurden Methoden entwickelt, mit de- ren Hilfe die materielle Hinterlassenschaft vergange- ner Epochen befragt werden kann, um über die genaue Beschreibung und Analyse von Gegenständen oder Strukturen Rückschlüsse auf die Produzenten und Nut- zer dieser Waren zu ziehen und bestenfalls ihren kultu- rellen Eigenheiten möglichst nahe zu kommen. Gerade bei prähistorischen Gesellschaften nimmt die Einord- nung materiell erfassbarer Hinterlassenschaften (wie Werkzeuge, Keramik, Siedlungsstrukturen, Verkehrs- wege) einen großen Raum ein. Durch die konzentrierte Beschäftigung mit Fundmaterial und dem Fundkontext werden immer wieder neue und überraschende Er- kenntnisse gewonnen, tatsächlich findet ein ständiger Erkenntnisprozess statt. Die Sammlung von Gegenständen aus Halle-Neustadt bietet einen Blick auf eine Gesellschaft der jüngsten Vergangenheit, die es in dieser Form nicht mehr gibt, wodurch sie in gewisser Weise ihrem ursprünglichen Kontext entzogen ist. Die Gebrauchsgüter, die hier zu- sammengetragen sind, entstammen der Produktion der Deutschen Demokratischen Republik. Die Betrachter werden durch das besondere Formen-, Farben- und Materialspektrum der DDR-Produkte an die (eigene) Vergangenheit erinnert, in der die vorgestellten Ge- genstände eine Selbstverständlichkeit hatten, die sie unscheinbar machte. Nun werden sie im zeitlichen Ab- stand von mehr als 25 Jahren in unerwartetem thema- tischen Zusammenhang überraschend neu gesehen und emotional bewertet; im Wiedererkennen spürt der Betrachter ein Echo vergangener Erfahrungen. Bei der Durchsicht des Fundguts fielen gewisse in- haltliche Schwerpunkte auf. Das häusliche Leben ist mit zahlreichen Gegenständen deutlich überrepräsen- tiert, Werkzeuge und Geräte fehlen beinahe völlig. Die Sammlungsstücke stammen aus mehreren Haushalten, wobei allerdings keiner der Haushalte komplett in die Sammlung eingegangen ist. Die erste Auswahl wurde also bereits von den Spendern getroffen, und durch die Auswahl ist der Bestand eingegrenzt. (…)