Grußwort zur 3. Werkleitz Biennale sub fiction 1998

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3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction

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Grußwort zur 3. Werkleitz Biennale sub fiction 1998

Zum reichhaltigen kulturellen Potential des Landes Sachsen-Anhalt zählen nicht nur der beachtliche Denkmalreichtum, das Netz von musealen Einrichtungen, die Barockmusikfestspiele und andere Veranstaltungen zur Pflege des kulturellen Erbes, sondern ebenfalls zeitgenössische Kunstprojekte.

Ein außerordentlich interessantes Vorhaben zur Präsentation von künstlerischen Werken und Ereignissen aus den Bereichen Bildende Kunst, Internet, Video, Film und Performance ist die Werkleitz Biennale.

Diese internationale Medienkunst-Biennale findet nun bereits zum dritten Mal statt und hat in diesem Jahr den thematischen Bezugspunkt sub fiction. Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 15 Ländern zeigen ihre künstlerischen Arbeiten, die von sechs Kuratoren ausgewählt worden sind.

An der Schwelle zum neuen Jahrtausend und vor dem Hintergrund des Wandels zur Kommunikationsgesellschaft können gerade künstlerische Ausdrucksformen ungewohnte und unerwartete Facetten der neuen Medien aufspüren und kenntlich machen. Mit der Thematik sub fiction werden zudem Fragen berührt und Visionen ermöglicht, die im Alltagsdiskurs oder bei einer rein funktionalen Betrachtungsweise nicht ins Blickfeld geraten. Hinzu kommt die Besonderheit der Biennale: die verschiedenen zeitgenössischen Kunstwerke, Ereignisse und ästhetischen Arrangements werden im ländlichen Raum in den Saaledörfern Werkleitz und Tornitz präsentiert. Damit sind gute Voraussetzungen gegeben, um dem Publikum interessante, originelle, beeindruckende, aufregende oder auch provozierende Erlebnisse zu bieten. Für das Land Sachsen-Anhalt ist die Werkleitz Biennale, die sich mittlerweile einen beachtlichen internationalen Ruf erworben hat, jedenfalls eine wertvolle Bereicherung.

Gerade durch die Kombination von regionaler Anbindung und Weltoffenheit wird hier eine spannende Kommunikationssituation geschaffen, die interdisziplinär ist, Klischees abtragen und Grenzen überschreiten kann. Mit der Biennale als Diskussionsforum soll der konventionelle Gegensatz von Wirklichkeit und Fiktion in Frage gestellt, unterlaufen bzw. auf neue Weise bestimmt werden. Ein fiktiver, erdachter Besucher könnte hierbei nicht nur theoretische Erkenntnisse, sondern auch plastische sinnliche Erfahrungen im Freiraum der Kunst gewinnen. Kritische Distanz einerseits und Aufgeschlossenheit sowie Neugierde andererseits vorausgesetzt, wäre vorstellbar, daß ihm neue Bedeutungsdimensionen der Begriffe Fiktion ­ Konstruktion ­ Virtualität ­ Realität ­ Identität bewußt werden. Vielleicht werden für ihn dabei sogar die (künftigen) Auswirkungen sichtbar, die Neue Medien auf unterschiedliche Realitätsebenen haben können. Womöglich ist er jedoch auch nur amüsiert, verstört, irritiert oder gar empört und verärgert. Es sind zahlreiche Varianten der Reaktion auf Kunst denkbar und wünschenswert. Das vielfältige Programm der Werkleitz Biennale hält durchaus genügend Zündstoff für eine gute Resonanz beim Publikum bereit.

Die Organisatoren von sub fiction haben mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt, der Stiftung Kulturfonds, der Lotto-Toto GmbH und zahlreicher Sponsoren aus Wirtschaft und Kultur die Veranstaltung mit großem persönlichen Engagement vorbereitet. Viele, meist ehrenamtliche Mitarbeiter trugen ebenfalls dazu bei, die Veranstaltung in diesem großen Rahmen zu realisieren. Allen Mitarbeitern, Förderern und Sponsoren des Festivals gebührt deshalb mein ausdrücklicher Dank.

Ich wünsche der 3. Werkleitz Biennale sub fiction ein vielfältiges, interessiertes Publikum und einen erfolgreichen Verlauf.