Abfall von Belang. Über Garbologie als Archäologie

Root Event

Ausstellungsprojekt Nachweis für Besiedlung

Parent Event

Präsentation und Screening Katalog Release Nachweis für Besiedlung
Abfall von Belang. Über Garbologie als Archäologie

„Aber die Lumpen, den Abfall: die will ich nicht inventa- risieren, sondern sie auf die einzig mögliche Weise zu ihrem Recht kommen lassen: sie verwenden.“1 Nicht immer bestand in der Archäologie Interesse für Abfall und Müll. Es brauchte einige Zeit, bis Forscher sich für Abfall sensibilisierten und ihn verwendeten. Erst als die (prähistorische) Archäologie als Wissenschaft der Ausgrabung methodisch gereift und ihr Wissen besonders in der siedlungsarchäologischen Forschung gewachsen war, wurde Müll zu einem epistemischen Ding. Der archäologische Blick, der stets ein histori- sierender ist, richtete sich erst Mitte des 19. Jahrhun- derts auf Abfall, welcher seither zu einem Bestandteil materieller Kultur umgeformt wird – konkret zu archäo- logischen Funden und Befunden. In der Hoffnung, ihn rückübersetzen zu können, wurde Abfall diskursfähig. „Im Zuge einer Verkehrung geltender Wertkategorien wurde gerade dasjenige, was weggeworfen worden ist und was nicht aufgehört hat, ausgesondert zu sein, in das Ziel einer Suche transformiert. Gerade das, was zu entsorgen war, um niemals wieder beachtet zu werden, wurde zu einem entscheidenden Fund, den man schon längst hätte entdecken müssen“2, so charakterisiert der Literaturwissenschaftler Dietmar Schmidt diese Blick- verschiebung in wissenschaftsgeschichtlicher Perspek- tive. Abfall-Archäologie unterläuft also das, was mit der Müllwerdung bezweckt ist, nämlich Abfall zu beseitigen, ihn zum Verschwinden zu bringen. (…)