Stills

Root Event

3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction
Stills
D 1996

In der dunklen Kirchenhalle ist die Großprojektion der „Stills“ von Heidrun Gartenschläger installiert. Dem Altar zugewandt, schaut man zu stummen, gebeamten S/W Portraits auf, die an alte Staraufnahmen von Hollywood-Spielfilmen oder Ausschnitte eines Film Noir erinnern und auf den ersten Blick wie illuminierte Großfotografien wirken (etwa in der Manier des Frühwerks von Cindy Sherman). Dann jedoch ist zu bemerken, daß sich die Lichtverhältnisse fast unmerklich verändern und verschieben: Langsam wandern die Schatten des auratisch inszenierten Frauenportraits und modellieren dabei die Figur. Was vorher im gleißenden Licht war, verschwindet dann im Dunkel, majestätischer wechselt zu fragilem Ausdruck – das Antlitz scheint in Bewegung zu geraten und dadurch die unterschiedlichsten Rollen durchzuspielen. Nach wenigen Minuten ist die Bewegung vorbei, das Bild wird abgeblendet und schon bald erscheint die nächste Inszenierung aus dem Dunkel. Heidrun Gartenschläger spielt diese Filmbilder (und diese Frauenbilder) selbst, und wenn ihr dabei zuweilen ein winziges Augenzwinkern unterläuft, zerbricht schlagartig die Illusion eines vorgeführten Modells: Das Posieren geschieht in Echtzeit! Das Image hat Persönlichkeit, das Bild „schaut zurück“! Aber die Animation der verflossenen Stars führt nicht aus ihrem Stillstand heraus.

An eine Seitenwand wirft ein zweiter Videobeamer ein kleines, unbestimmbares, warmfarbiges Bild: Helligkeit und Konturen der hier gezeigten, nicht näher identifizierbaren Flächen oder Figuren verändern und verschieben sich langsam, aber stetig. Dieses zweite Element von Gartenschlägers Installation durchkreuzt den „Kinocharakter“, der durch die frontal zur Projektion stehenden Kirchenbänke sonst entstünde, und kontrastiert wirksam das lupenreine Identifizieren und Beobachten der „Stills“. Und sachte erinnert es auch an ein Bild des Ewigen Lichts.

Heidrun Gartenschläger (D), Stills, Videoinstallation, 2 Beamer, 2 x S-VHS, Loops: ca.12 min, stumm, 1996

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