Silberwald

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Silberwald
DE 2010

Liebe, kleine Landschaft

Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, ein bisschen Regen, ein paar Gewehre (die nicht abgefeuert werden), ein „liebes kleines Echo“, hier und da in der Ferne ein Hirsch oder ein Adler, ein paar Küsse und natürlich viele, viele Blumen. Silberwald entfaltet auf drei Leinwänden das motivisch wie dramaturgisch pittoreske Universum des Heimatfilms. Hauptdarsteller dieses rein deutsch-österreichischen Genres ist die Landschaft, vorzugsweise in den Bergen, da wo die Bombergeschwader der Alliierten – mit Ausnahme von Hitlers Berghof – nichts kaputt gemacht hatten. Eine heile Nachkriegswelt. Aus dem schneidigen SS-Offizier und dem zerlumpten Wehrmachtsheimkehrer ist der gute Förster geworden, seine Flinte, so er sie denn überhaupt benutzt, dient dem Schutz der lieben Tiere vor seinem Antipoden, dem Wilderer, und dem Schutz des ewigen Waldes vor den Begehrlichkeiten der Nutzholzindustrie. Vergleicht man den Heimatfilm der Nachkriegszeit mit dem des Nationalsozialismus, besonders bei Remakes, so fällt auf, dass aus der wilden, erhabenen, aber auch bedrohlichen Naturlandschaft der 1930er und 1940er Jahre eine Art Parklandschaft geworden ist. Die Berge sind mit blauem Himmel und Cumuluswolken doch recht gemütlich, die blumenübersäte Alm ist als Schauplatz wichtiger als der stürmische Gipfel, und der Regen wäscht dem Naturburschen das Fell oder nässt ein wenig das Dirndl – allerdings nicht so weit, dass man etwas sehen würde, was man nicht sehen dürfte. Die immergleichen Motive und Handlungsstränge des Materials nutzt Christoph Girardet in der präzisen Montage; die Bewegungen von Darstellern wie Kamera synchronisiert er zu einem kunstvollen Triptychon, in dem sich die ohnehin schon künstlich gewandelte Landschaft wie eine Fototapete im Raum entfaltet. Da jedoch die Installation der einfältigen Dramaturgie der Originale nicht folgt, sondern die Geschichten nur in Andeutungen erzählt, entsteht tatsächlich durch den ganzen Kitsch hindurch eine Andeutung dessen, was Naturdarstellung in der Kunst vermag: Man spürt den Rhythmus des Lebens und die Trauer der Vergänglichkeit.

Autor des Textes

Marcel Schwierin

Video Installation, 2:33 min

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