Shooting Animals

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Film programme
Shooting Animals
14. 10. 2008
William Wegman Dog Duet, USA 1975, © William Wegman

Shooting Animals haben wir das Programm genannt, weil wir eine Verwandtschaft zwischen guten Tier-Filmemachern und frühen Jägern sehen: Beide verwandeln sich in ihrer Arbeit notwendig den Tieren an, indem sie ihren Spuren folgen. Dass es uns dabei nicht um das reale Töten eines Tieres geht, wie es Jäger tun, wird schon im ersten Film klar. In The Cameraman’s Revenge von Wladyslaw Starewicz werden tote Tiere wieder zum Leben erweckt. Der Nashornkäfer, die Libelle und der Grashüpfer sind echte, tote Insekten, die im Spiel des Films animiert werden. Als Hauptdarsteller gewinnen sie ihr Leben zurück. Im Leben aber muss man wählen, leider, denn das ist alles andere als leicht. Gerade für Jäger ist das ein schwieriger Prozess, weil die Tiere einer Art nie gleich sind. Weil sie Individuen sind, lassen sie sich in ihrer konkreten Welt nicht generalisieren. Nicht jeder Hund kann bellen, und die es können, tun es oft, wann sie wollen und nicht wenn der Regisseur oder Jäger es will.  William Wegman zeigt es in seinem Film Dog Duet. Zwei Hunde, Weimaraner, bewegen sich nebeneinander äußerst unterschiedlich, um nicht zu sagen: gegensätzlich. Auch unter Tieren ist ein Duett ein Gesang mit Ein- und Widersprüchen. Bei Wegman wird das physisch für den Beobachter spürbar, weil er zwei Hunde der gleichen Art wählt. Physisches Kino ist auch Artavazd Peleshyans Obitateli (Die Bewohner), der 1970 in der Sowjetunion veröffentlicht wurde. Peleshyans Film ist eine Hymne an die Bewegungen von Tieren in Herden, Schwärmen und als Einzelgänger. Wobei ihm jedes Tier, auch das einzelne, eine Mehrheit zu sein scheint, der er pathetisch mit seinen Bildern, seinen Schnitten und seinen Tönen das Stimmrecht zurückgeben will. Die Tiere, die Bewohner, sind echte Tiere und keine Metapher. Peleshyan wirft dabei auch einen Blick von oben auf die Hirsche der Weiten Sibiriens, die sich im Winter, in der schrecklichen Kälte, zu riesigen Herden zusammenschließen. Die Herden der Hirsche am Amurfluss in Sibirien sind ein Mythos des russischen Anarchismus. In Peter Kropotkins Hauptwerk, Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, stehen sie für den Moment, in dem Individualismus und Einzelgängertum in der Gemeinschaft zusammenfließen, um sich mit allen anderen zu schützen.
Die filmästhetische Gegenposition zu Peleshyan nimmt Romuald Karmakars Esel mit Schnee ein. Ganz ruhig, fest stehend, nimmt die Kamera einen Esel in den Blick, bis der Esel die Kamera sieht und darauf zugeht. Auch das geschieht ganz ruhig. Irgendwann wird ganz hinten noch ein zweiter Esel sichtbar, währenddessen ist der Esel vorne schon wieder dabei sich von der Kamera zu entfernen. Dabei bleiben die Esel nichts als sie selbst, Esel eben.

Filmprogramm

  • Poisson, Étienne-Jules Marey & Georges Demenÿ, FR/IT 1891, 3 min
  • The Cameraman’s Revenge, Wladyslaw Starewicz, RU 1911, 14 min [Piano]
  • Dog Duet, William Wegman, USA 1975, 3 min
  • Obitateli / Die Bewohner, Artavazd Peleshyan, UdSSR 1970, 10 min; Aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
  • Esel mit Schnee, Romuald Karmakar, DE 2010, 4 min

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