Schöne reiche Welt

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6. Werkleitz Biennale Common Property / Allgemeingut
Filmprogramm
Schöne reiche Welt
3. 9. 2004

kuratiert von:

‚Schöne reiche Welt‘ zieht einen historischen Bogen von der Weltwirtschaftskrise 1928 bis zur Wende 1990. In oft ironischer Weise lassen sich die Filme über die Folgen des Kapitalismus aus, der heute einzig verbliebenen globalen Ideologie. Eine bemerkenswert prägnante Definition von Ideologie formulierte Christopher Hitchens 2001 in einem Artikel für ‚Vanity Fair‘ im Hinblick auf die Frage, was die Nordkoreaner von ihrem ‚Geliebten Führer‘ Kim Yong II halten: „Die Täuschung der Massen ist das einzige, wodurch ein Volk bei geistiger Gesundheit gehalten wird.“ 1 Die paradox klingende Aussage spielt auf einen Vorgang an, den Slavoj Zizek als „die fetischistische Spaltung im Kern einer funktionierenden Ideologie“ beschreibt: Individuen übertragen ihren Glauben auf einen ‚großen Anderen‘, damit dieser an ihrer Stelle glaubt und sie somit von der direkten Identifikation mit den Inhalten der Ideologie befreit. Denn in Wirklichkeit mag man von seinem Glauben nicht vollends überzeugt sein. Diese Diskrepanz zwischen realem Leben und symbolischer Fiktion läßt sich auf fetischistische Gegenstände des Alltags wie Geld, Mode oder Automarken anwenden. Trotz des Wissens um den begrenzten materiellen Wert der Objekte und Waren, bestimmt der institutionalisierte Glaube an ihren Mehrwert über unsere Handlungen.

Vor dem Hintergrund dieser Verbindung von kollektiven Phantasmen und gesellschaftlicher Ordnung versammelt das Programm eine Vielzahl filmischer Formate. Im Wechsel von radikaler Analyse und scharfsinniger Satire reflektieren die Filme die Position des Individuums gegenüber den Bildern und Wirklichkeiten der großen ideologischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts. F. W.
1 zitiert in: Slavoj Zizek, Die Revolution steht bevor. Dreizehn Versuche über Lenin, Frankfurt am Main 2002, S. 142

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