Sammeln Bewahren Forschen - Abfallvermeidungssystem

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4. Werkleitz Biennale real[work]
Sammeln Bewahren Forschen - Abfallvermeidungssystem
DE 1995/2000
Sammeln Bewahren Forschen - Abfallvermeidungssystem
Sammeln Bewahren Forschen - Abfallvermeidungssystem
© Thomas Bruns
Sammeln Bewahren Forschen - Abfallvermeidungssystem
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© Thomas Bruns
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© Thomas Bruns

Was ist Arbeit, wo findet diese unter anderem statt und wie verhält sie sich im Umgang mit Ressourcen? Im frisch renovierten Herrenhaus des Heimatvereins wurden unter dem Obertitel „Abfallvermeidungssystem“ in drei Abteilungen unterschiedliche Produkte ausgestellt: Eine Auswahl von Maschinen und Haushaltsgegenständen aus Eigenbau-Produktion vor und nach der Wende, ein gemeinsam mit HelferInnen aus Werkleitz und Tornitz angelegtes Materiallager von wiederverwertbaren Verpackungen und Gläsern und eine Auswahl von Objekten aus Petzets eigener Sammlung und Herstellung. Ähnlich einer musealen Inszenierung waren die einzelnen Gegenstände auf Sockeln präsentiert. Im Eingangsbereich begegnete man Petzets eigenen Produkten, aus Plastiktüten und Geschenkband hergestellte Hüte und Papierkörbe, ein Duschvorhang aus Einkaufstüten, sowie Abflusssiebe aus dem Unterboden von Getränkedosen. In einer Kammer, etwas versteckt, aber einsehbar und begehbar, war auf bereits zuvor vorhandenen Regalen das Materiallager untergebracht. Der größte Raum war jedoch der Präsentation der gemeinsam mit Gesprächspartnern im Dorf zusammengestellten Ausstellung von Eigenbauten gewidmet, eine selbstgeschweißte Schubkarre, eine Betongussvorrichtung zur Herstellung von Gehwegplatten, eine Fernseh-Antenne, eine Musikanlage mit Lichtorgel. Neben selbsthergestellten Maschinen und Haushaltsgegenständen gab es improvisiert reparierte Maschinen, so zum Beispiel eine ganze Reihe von Rasenmähern mit Kinderwagenrädern sowie mehrere aus verschiedensten Einzelteilen, Konserven, Kerzenständern und Pinseln zusammengebaute Standaschenbecher.

Die Installation wurde begleitet durch eine detaillierte Erfassung der einzelnen Gegenstände in Funktion, Entstehungszeit und Bauweise sowie einer zusätzlichen Fotodokumentation, die Aufnahmen aus einer Werkstätten, in denen einige der ausgestellten Gegenstände gebaut worden waren, zeigte, sowie eine Reihe exemplarischer Anwendungen der selbstgegossenen Betonelemente und ein Gewächshaus mit selbstentwickelter Klimaregulierung. Die Ausstellung der von erfinderischen Köpfen in der unmittelbaren Nachbarschaft von Werkleitz und Tornitz entwickelten Maschinen und Gegenstände vor allem vor, aber im Einzelfall auch nach der Wende, warf in der Gegenüberstellung mit dem heutigen Alltag Fragen auf: Inwieweit wurde Erfindergeist und Improvisation durch einen Mangel an Material und verfügbaren Standardlösungen motiviert - aber damit möglicherweise zugleich eine Geschichte der Alternativen und eines relativen Grades an Autonomie geschrieben? Wo wird nach der ‚Wende‘ welche Geschichte der DDR aufgezeichnet? Welchen Bedeutungswandel hat der Eigenbau, aber auch das Recycling, vorher und nachher erfahren?

Die in drei Abteilungen untergliederte Installation, „Sammeln“, „Bewahren, „Forschen“, stellte eine Begegnung von Nana Petzets eigener Arbeit mit der lokalen Geschichte und den Praktiken vor Ort dar. In der Auseinandersetzung mit dem in ihrem eigenen Haushalt anfallenden Verpackungsmüll entwickelte sie seit 1995 ihr eigenes Verwertungsmodell „Sammeln Bewahren Forschen (SDF)“. In Petzets eigener Produktion geht es weniger um die Funktionalität der hergestellten Gegenstände als vielmehr um die Absurdität massenhaft anfallender Verpackungen und der entsprechend entwickelten Verwertungsstrategien. Unter dem. Motto „Wir machen wahr, was der Grüne Punkt verspricht“ sammelte sie Einwegverpackungen und wandelte sie in handgefertigte, manchmal dekorative Gebrauchsgegestände um - Milchkartons, aufgefaltet und gereinigt, verarbeitet zu Kulturbeuteln, Raumteilern oder Fußabstreifern. Dem mit der Ausstellung ihrer Produkte einhergehenden Kommunikations- und Ideenaustausch kam in den letzten Jahren eine wachsende Bedeutung zu.

Ein Zelt auf dem kopfsteingepflasterten Hof, hergestellt aus einem im Dorf gefundenen selbstgeschweißten Gestell und aus Abflussrohrhaltern umfunktionierten Heringen mit einer Außenhaut aus zusammengenähten Milchkartons fungierte als Farbfleck und zusätzlicher Ausstellungsraum. In dem Zelt wurde Annette Weissers/Ingo Vetters Interview mit Lee Burns, einem der Initiatoren und langjährigen Mitglied des Agriculture-Networks in Detroit, gezeigt.

Autor des Textes

Corinna Koch & Christiane Mennicke

Nana Petzet, DE 1995/2000, Sammeln Bewahren Forschen - Abfallvermeidungssystem, Forschungsprojekt Werkleitz/Tornitz, Abteilungen Sammeln/Bewahren/Forschen, 1995/2000

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