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Yasmeen Baig-Clifford

NIKA OBLAK & PRIMOž NOVAK, Recommended by Curators Worldwide

„In der zeitgenössischen Kunst geht es allein ums Geschäft; sie ist in unseren Augen ein einziger Witz.“

Nika Oblak und Primož Novaks Arbeiten zeigen Parallelen zwischen ihrer eigenen Rolle als Künstler innerhalb des zeitgenössischen Kunstmarkts und einer Gesellschaft auf, die von individueller Bedürfnisbefriedigung und Kapital angetrieben wird. Mit einer Prise Humor adoptieren sie in ihren Arbeiten die visuellen Taktiken und verführerischen Konstruktionen, mit denen die Konsumenten in den Massenmedien für gewöhnlich geködert werden sollen. Sie spielen auf Taktiken der Aufmerksamkeitserregung an, die von einer bestimmten Sorte zeitgenössischer Künstler zunehmend verwendet werden und die mit einer in der Medienkultur weit verbreiteten Tendenz korrespondieren, das Glamouröse und den Erfolg an sich zu zelebrieren – „Berühmtheit“ um jeden Preis.

Oblak und Novaks künstlerische Praxis reicht vom Bewegtbild über Fotografie bis hin zu Neuen Medien und Installation. Durch den Einsatz von gängigen Kommunikationsmedien, die den Konsumenten zugänglich und vertraut sind, gelingt es ihnen, eine unmittelbare Verbindung mit dem Publikum herzustellen und den Betrachter in eine Umgebung einzubeziehen, die ihm vertraut ist. Der Schein aber trügt. Fakten und Fiktion prallen aufeinander. In einer Serie amüsanter Kurzvideos, inspiriert durch die international populären Filme Pulp Fiction und Taxidriver, produzierte das Duo parodistische Pastichen der Filmtrailer, exakt Einstellung für Einstellung. In den Remakes spielen sie alle Rollen selbst, und Primož Novak tritt als „Blackface“-Charakter auf, jener verzerrten Darstellung Schwarzer durch weiße Schauspieler. Shund (2008) geht vom Original-Filmtrailer von Quentin Tarantinos Pulp Fiction aus und wurde in Low-Fi-Manier verwirklicht. Spielzeugautos und -waffen übernehmen die Stelle der gewichtigen Originale, und die Bildhintergründe bestehen aus Fotocollagen, deren Bestandteile sie bei Streifzügen im Internet sammelten. Die Künstler tauchen geradewegs in das anschwellende Bilderreservoir des Internets ein und positionieren sich darin gleichzeitig als fiktive Selfmade-Superstars.

Auf die albernen Possen der Big-Brother-Generation spielen sie in der Foto- und Videoserie We Did This And That (2007) an. In 43 sorgsam konstruierten Fotografien und 13 Videos wird unsere zwanghafte Beschäftigung mit Berühmtheit hinterfragt. Es handelt sich um Reinszenierungen absurder und häufig sinnfreier Leistungen, die im Guinness Buch der Rekorde enthalten sind, und die Künstler werden als scheinbare Rekordhalter gezeigt. Jegliche moralisierende Haltung wird durch den ironischen Unterton unterlaufen. Gleichwohl wird die Kritik an der unbekümmerten Akzeptanz von Videoaufnahmen als „Beweis“ deutlich. Die Sinnlosigkeit der rekonstruierten Handlungen ruft nachhaltig Zweifel hervor. Soll man an sie glauben?

In der vor kurzem auf der Sharjah Biennale 2009 gezeigten Videoinstallation The Box (2005) sind die Künstler in einem fiktiven Raum gefangen – in diesem Falle in einem Monitor mit einer Gummihülle. Voller Frustration wollen sie sich unter körperlichem Einsatz den Weg in die Freiheit bahnen. Eine pneumatische Vorrichtung zwischen Monitor und Gummi bewegt sich synchron zu den vergeblichen Versuchen der menschlichen Protagonisten. Wenn Oblak auf die Wand einschlägt, beult die Gummihülle aus. Die Arbeit verweist eindrücklich auf die Position des Individuums im Verhältnis zu jener technologischen Kontrolle, die Massenmedien inhärent ist. Sie setzt sich mit der Macht auseinander, die die Medien durch diese Einflussnahme Schritt für Schritt über die Individuen erlangt haben. Die Künstler sind allerdings von der Außenwelt, so der Hauptgedanke, durch die selbst geschaffene Medientechnik isoliert und in die Falle gegangen.

Seinen Aufenthalt bei VIVID nutzte das Duo für eine ironische Hinterfragung des eigenen Warenstatus. Erneut verfolgen sie in Recommended by Curators Worldwide (2009) ihre Taktik, als Protagonisten in ihrer eigenen Arbeit zu agieren. Oblak und Novak produzierten ein großformatiges Werbeposter, in dem sie als Must-Have-Produkt auftreten. Unter einem Bild der beiden steht der Schriftzug „Recommended by Curators Worldwide“ – von internationalen Kuratoren empfohlen –, ein rhetorisches Mittel, das von Werbefirmen eingesetzt wird, wenn es darum geht, ihren Produkten Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Im Gegensatz zur Sichtbarkeit und Allgegenwart von Werbeflächen im Stadtraum installierten Oblak und Novak Recommended by Curators Worldwide in einem privaten Arboretum, das in einem abgelegenen walisischen Wald liegt. Eine derartige Verortung der Arbeit ist ein deutlicher Kommentar zur vermeintlichen Notwendigkeit von Konsum und zur Vorstellung, dass der Zugang zu Werbung fast schon eine Art Teilhabe darstellt, dass man als Konsument begehrt ist und dass man sich der beworbenen Güter als würdig erweist. Indem sie in ihrer eigenen Arbeit als „Marke“ auftreten, wird die Art und Weise, in der die kommerzielle Kunstwelt Kunstwerke vermarktet, kritisiert. Im Unterschied zum Befreiungsversuch, den wir in The Box sehen, üben die Künstler in diesem Fall die volle Kontrolle über den Raum und den Zugang der Konsumenten aus. Die Arbeit ist ein Fremdkörper in der grünen Umgebung, auch weil auf dem Poster die Künstler im Maßstab 1:1 in Frontalansicht abgebildet sind. Das Publikum bleibt ein zufälliges – ein gelegentlicher Spaziergänger, ein einzelner Urlauber. Aber hey – wir sind es wert!

Nika Oblak & Primož Novak, Recommended by Curators Worldwide

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