Powder Face und die Kulturgruppe für Indianistik

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Powder Face und die Kulturgruppe für Indianistik
DDR/US 1986

Karl May und der deutschen Indianerbegeisterung verdankt die DDR auch ihre wahrscheinlich seltsamste Kulturblüte: die „Kulturgruppen für Indianistik“. Aus einer Tradition der 20er und 30er Jahre kommend, bildete sich um Häuptling Powder Face (alias Johannes Hüttner) 1956 der Club „Old Manitou“, die erste  Organisation in der DDR, in der Erwachsene in ihrer Freizeit wie Indianer lebten. Im Laufe der 60er Jahre bildeten sich in der Nachahmung weit über hundert solcher „Volkskunstkollektive“, einige davon existieren bis heute. Wie Karl May hatten die Mitglieder dieser Gruppen weder Amerika noch Indianer je gesehen, versuchten sich aber dennoch in höchstmöglicher Authentizität, sie imitierten nicht idealisierte Universalindianer à la Winnetou, sondern konkrete Stämme, deren Riten und Kleidung.

In Powder Face und die Kulturgruppe für Indianistik stellt der Häuptling in schönstem Sächsisch dem amerikanischen Gast verschiedene Tänze vor und auch die offizielle und trotzdem subversiv wirkende Einordnung der Indianer: „Menschen wie wir, die um ihre Rechte kämpfen.“ Im zweiten Teil des Bandes kommt es zu einer Cowboy-Aufführung. Da die offizielle Begründung der Indianistik in der DDR ja von der Pflege des Brauchtums einer von den USA unterdrückten Minderheit handelte, waren die unterdrückenden Cowboys von staatlicher Seite eigentlich nicht gelitten. Wahrscheinlich muss deshalb als Rechtfertigung für diese Darstellung eine etwas eigenwillige Beschreibung des Rodeos als indianische Tradition herhalten, um sich dann fröhlich dem Westernmythos samt Countrymusik zu widmen.

William Meyer, DDR/US 1986, 35 Min.

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