Postcolonialism in 30m2

Root Event

Schaufenster in die Stadt Videorama
Videorama:
Postcolonialism in 30m2
1. 9. bis 30. 9. 2017
ES 2015
Still aus Postcolonialsim in 30 square meters (ES, 2015)
© Clara Winter und Miguel Ferraez

Sie erträgt die Schuld nicht länger, Europäerin zu sein und beschließt sich einem „dritte Welt Menschen“ zur Verfügung zu stellen und ihm zu dienen. Er hält dies für angebracht und akzeptiert dankbar diese Wiedergutmachung. Sie beginnt zu kochen, aufzuräumen und Stück für Stücke ein paar gut gemeinte Regeln zu installieren, um ihm zu zeigen, dass seine ökonomischen, hygienischen und kulturellen Lebenstarndarts verbessert werden können. Sie versucht einen Weg finden, der gut für sie beide ist.

Er ist irgendwie unglücklicher als zuvor.

01. 09. 2017 bis 30. 09. 2017
Werkleitz Gesellschaft e.V.
Schleifweg 6
06114 Halle (Saale)
Deutschland

Housewife productions
HD Videofile/ spanish, german / 25min / Pamplona 2015


MDR unicato Preisträger des Jahrgangs 2016

Laudatio - „Postcolonialism in 30 sqm“ von Clara Winter und Miguel Ferráez

Die Azteken galten als eine der kriegerischsten Völker Mexikos. Aber sie besaßen einen Ehrenkodex: Wenn sich ein feindlicher Stamm näherte, konnte man ihn durch Geschenke wie Gold und Edelsteine befrieden. Er nahm die Gabe an und zog ab, oder er wies die Gaben zurück und griff an. Als Hernando Cortéz Truppen gen Tenochtitlán zogen, liess ihn der Aztekenkönig Moctezuma zur Befriedung unter anderem einen Goldschatz übergeben. Die Spanier nahmen alle Geschenke begeistert an. Aber anstatt sich zurückzuziehen unterwarfen sie das Aztekenreich. Dies war keine Inhaltsbeschreibung des Unicato Preisträgers von Clara Winter und Miguel Ferráez, aber vielleicht eine mögliche Begründung, worum sich die deutsche Protagonistin veranlasst fühlt, eine alte europäische Schuld bei einem mexikanischen Studenten zu begleichen indem sie sich als Haushälterin ehrenamtlich für ihn betätigt. Dabei fängt sie an, Wohnung und Lebensstil des „Zweite-oder-Dritte-Welt-Bürgers“ immer weiter in Richtung „Effizienz und Fortschritt“ zu „optimieren“, bis sich der junge Mann am Ende seiner eigenen Entscheidungsfreiheit beraubt fühlt. Man kann das auch Postkolonialismus auf 30 qm2 nennen. Der in Form eines YouTube Blogs in kurzen Minutenszenen gehaltene Film überzeugt durch seine dokumentarisch gehaltene authentisch wirkende Inszenierung, zwei sich dabei irgendwie teilweise auch selbstporträtierende Darsteller, und vor allem durch die Satire auf das janusköpfige europäische „Gutmenschentum“ und seinem perfiden System der „Entwicklungshilfe“.

Jurybegründung (u.a mit Peter Zorn im Interview)

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