Panel Geteilte Kultur

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6. Werkleitz Biennale Common Property / Allgemeingut

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Panel Geteilte Kultur
4. 9. 2004

anwesend:

Annegret Hahn (RespondentIn)
,
Simone Hain (RespondentIn)
,
Helmut Höge (ModeratorIn)

Nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die kulturelle Vereinigung von Ost- und Westdeutschland nach 1989 gestaltet sich um einiges komplexer, als es kurz nach der Wende den Anschein machte. Die Vorstellung einer gesamtdeutschen kulturellen Identität erwies sich im Detail weniger als eine reale gesellschaftliche Erfahrung, sondern vielmehr als ein politisches Programm. Kulturelle Praxis findet in bestimmten gesellschaftlichen Kontexten statt: Während sich ein spezifisch westdeutscher Kultur-Kontext in den letzten 15 Jahren im Osten verbreitet hat, wurde der ostdeutsche oft pauschal unter Ideologieverdacht gestellt und als lokal-miefig und irrelevant abgewertet. Die Neuformatierung der ostdeutschen Kulturlandschaft in den 1990er Jahren brachte sowohl den Kulturschaffenden als auch den kulturellen Institutionen die Erfahrung von Diskontinuitäten und den Verlust von sozialen Zusammenhängen und kollektivem Wissen. Aus Sicht des Westens hingegen, stellte sich die Entwicklung immer als eine innerhalb des kulturellen Bezugssystems kontinuierliche dar.

Den in Ost und West gemeinsamen Erfahrungshorizont bilden vielleicht erst die seit Ende der 1990er Jahre unter neoliberalen und postfordistischen Vorzeichen neu definierten Anforderungen an den Kultursektor. Kürzungen, Privatisierung und der Zwang, auf dem Markt zu bestehen, führen nun auch im Westen zu einigen Umbrüchen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stellt sich heute die Frage, welche Praxen und Akteure in den letzten 15 Jahren aus dem Kulturbetrieb herausgeschrieben und welche neuen Zusammenhänge und Anknüpfungen hergestellt wurden. Zur Debatte steht außerdem, inwiefern mittels Kultur und jenseits von ideologischer Vereinnahmung überhaupt Gemeinsamkeit und Öffentlichkeit hergestellt werden kann.
Das Gespräch findet in deutscher Sprache statt.

TeilnehmerInnen:
Annegret Hahn (DE), Intendantin Thalia Theater Halle
Simone Hain (DE), Architekturhistorikerin

Moderation:
Helmut Höge (DE), Freier Journalist

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