o. T.

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3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction

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o. T.
D 1998

Ohne Titel

Zu dieser Performance, in der alle Dinge sich gegen ihn gerichtet hatten (O-Ton H. G. Hermann), zu diesem Mißlingen ist schwer etwas zu sagen, zu schreiben. Trotzdem oder gerade deswegen sind einige stringente Fakten zu verifizieren, zeigen sich Fragen in der Performance Kunst. Was sagt der Satz, die Dinge haben sich gegen mich gerichtet? (Die Haken, die er sich durch die Haut hakte, biegen sich auf, Schnüre reißen, Steine brechen, der Videoprojektor ging kaputt, obwohl er vorher noch getestet wurde, das Videoband wurde vergessen, er hängt sich an die Schnüre, die reißen, die Taschenlampe fällt herunter und verlöscht etc.)

Der Ort, eine Werkstatt-Halle, von der Dorfbevölkerung noch Schmiede genannt. Ein starkes Stahlseil zwischen Schwerlastregal und Blechbiegemaschiene gespannt, Schnur, Schnüre durch eine Öse (mehrere) gezogen, mit Steinen verbunden. Ein Kreis mit kleinen Skulpturen, darüber hängend eine Taschenlampe. Der Beginn der Performance, die Haken mit den Schnüren verbinden und die Haken sich durch die Haut mit Bindegewebe haken, die Steine sollten die Schnur gespannt halten und dadurch auch die Haken. Die Eigenheit von Schnüren ist, sie neigen zur Verstrickung, das sich Verfangen ist implizit.

Die Dinge haben sich gegen mich gerichtet. Auch die Zeit kam nicht in die Begegnung mit dem Raum, sie blieb davor, wurde kein Bild.

Ich denke dabei an die Geschichte eines Henkers aus der Stadt Regensburg im Mittelalter, der bei der Ausführung seines Gewerbes den Fehler machte, den ersten Schlag beim Köpfen nicht richtig anzusetzen, er wurde direkt von der Bevölkerung gelyncht.

In der Performance Art ist mir das Nutzen von Begriffen wie Professionalität, Handwerk etc. immer suspekt, auch ist es im Grunde unmöglich, Kriterien festzuschreiben. (Hier setzt das Problem ein, daß der Mensch einen Leib hat und ein Körper ist, eine äußerst lebendige Unversöhnlichkeit in einer Person.)

Wenn ich mich Ritualen hingebe, wenn ich Rituale vergegenwärtige, in die Erfahrung setze, um Bereiche der „Tiefe“ (religiös, mental, magisch) zu berühren und meine Beziehung dazu kennzeichne, gibt es eine Art der Verantwortung diesem und seinem eigenen Bild gegenüber. Diese Verantwortung zeigt sich in einer äußerst gesteigerten Aufmerksamkeit der physikalischen Eigenschaften der Welt, denn sie ist der Spiegel der physikalischen Eigenschaft der mentalen, inneren, religiösen, magischen Welt. Ihre Prozesse sind analog. Die Eigenschaften des Leibes werden durch die Bewußtheit zu Bildern transformiert, der allotropische Prozeß der Kultur. Diese Aufmerksamkeit habe ich in einem paradoxen Satz gefaßt: Wenn ich arbeite, arbeite ich nicht und wenn ich nicht arbeite, dann arbeite ich.

Dinge sind nur dann gegen mich, wenn ich die Eigenheit der Dinge nicht in die Aufmerksamkeit, die Paradoxität der Dauer, gezogen habe. Die Dinge gehen durch mich durch, und ich darf ihnen nichts in den Weg stellen, dann zeigen sie sich in der Pracht ihres Seins, sie sind Bild.

Diese Erfahrung des Scheiterns war für mich eine wesentliche (O-Ton). Beneiden kann und sollte man diese Tatsache. Doch Tatsachen sind keine privaten Feststellungen. Erfahrungen sind Bindungen. Was ist in der Performance Art zu verhindern, die Idee. (Hier würde ich so gerne mit Plato streiten, nur der hat sich einfach zu früh verabschiedet, vielleicht geht es doch um die Idee und man sollte lernen, sich die Kreativität aus dem Leibe zu schlagen.)

Holger G. Hermann (D), o. T., Performance, Schmiede Tornitz, 1998

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