Non-Chat Chat – Meditation for Avatars

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Non-Chat Chat – Meditation for Avatars
DE 2006

Mit ihrem Internet-Projekt Non Chat Chat – Meditationsraum für Avatare möchten Hörner/Antlfinger Besuchern der Ausstellung und Usern im WordWideWeb die Möglichkeit geben, gemeinsam in einem virtuellen Raum zu meditieren. Es soll dabei um reine Anwesenheit und kein geschwätziges Chatten gehen.
Eine Inspirationsquelle für dieses Projekt geht unter anderem auf die Geschichte des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi zurück, dem Begründer der transzendentalen Meditation, die für die Künstler mit ungläubigem Staunen und mit einer gewissen Faszination verbunden ist: „Das für uns eigentlich Wesentliche ist Maharishi Mahesh Yogis Ansatz, seine Technik im Lichte der Wissenschaft zu beweisen. Mit aufwendigen Feldstudien versuchte er die positiven Effekte der Meditation auf ein Gemeinwesen nachzuweisen. Meditieren 7000 Siddhas, also geschulte Meditierende, zusammen an einem Ort, so sollte das konkrete Auswirkungen auf die Kriminalitätsrate, das wirtschaftliche Wachstum (Sinken der Arbeitslosigkeit- und Selbstmordrate, Steigen des Pro-Kopf-Einkommens sowie des Börsenindex!) und das persönliche Glück haben. Diese Feldforschungen sind natürlich umstritten und wurden irgendwann auch nicht mehr weiter verfolgt. Es ging letztlich darum, die Existenz des ‚Unified Field’5 nachzuweisen, ein Feld zu dem jeder Mensch Zugang hat und gemeinsam mit anderen auch Kräfte entfaltet, die auf andere wirken können.“

Nach der Theorie des Yoga gibt es an der Quelle des eigenen Bewusstseins einen Bereich vollkommener Ruhe bei gleichzeitiger vollkommener Wachheit. Dessen klare Erfahrung geht mit der Erfahrung von Glückseligkeit einher. Der Zustand ruhevoller Wachheit ist neben den bekannten Zuständen Wachen, Schlafen und Träumen ein vierter Haupt-Bewusstseinszustand und wird in unterschiedlichen Kulturen unter anderem als Transzendenz, Samadhi, Nirvana, Absolutes, Sein, metaphysischer Angelpunkt, Himmelreich Gottes bezeichnet.
Fragestellungen, die die Künstler mit ihrer Arbeit verbinden, sind: Ist Meditation eine Praxis, die auf ein elektronisches Datennetz ausgedehnt werden kann? Wirkt sie auch noch mit Stellvertretern, Avataren? Und welche Erfahrung ergibt sich daraus für das reale Subjekt?
Dazu noch einmal Hörner/Antlfinger:
„Wir behaupten das auch ganz im Sinne Pascals, der die Rückgewinnung des Glaubens durch ein So-Tun-Als-Ob einzustudieren empfiehlt, denn zu verlieren habe man ja nichts, im Gegenteil, man könne alles gewinnen.“

Über das WorldWideWeb wollen die Künstler ein Forum schaffen für die Happy Believers der Biennale und für diejenigen, die es mit Hilfe der Kunst und mit den Techniken der Meditation gern werden möchten.
Bei erfolgreicher Umsetzung des Projektes könnte daraus in Anlehnung an den Titel des amerikanischen Filmemachers Les Blank6 zu schließen sein: God respects us when we work – but he loves us when we are happy.
Ein Angebot, dem man sich nicht entziehen kann!

 

5 Das vereinheitlichende Feld ist ein Begriff aus der theoretischen Physik. Einheitliche Feldtheorien verfolgen das Ziel, alle Materie und Kraftfelder des Universums in einer Formel, dem ‚vereinheitlichten Feld’ oder ‚einheitlichen Feld’, zusammenzufassen. Eine einheitliche Feldtheorie, auch Weltformel genannt, soll die Zusammenhänge zwischen der Materie, der elektrischen Kraft, der magnetischen Kraft und der Gravitation erklären.
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6 Der Titel des 1968 entstandenen Dokumentarfilms über einen besonderen Höhepunkt der Hippie- und Gegenkulturbewegung heißt im Original: God Respects Us When We Work – But He Loves Us When We Dance.

 

(Angelika Richter: Von Ikonen, Idolen, Avataren und anderen Stellvertretern)

Hörner/Antlfinger, DE 2006, Online Community, Installation, Datenbankprogrammierung Thomas Kuleßa
Courtesy the artists

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