needless [work] - Autonomie und Verweigerung

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needless [work] - Autonomie und Verweigerung
7. 7. 2000
D 2000

Künstlerische Tätigkeit als Antipol zu dem, was im Spätkapitalismus ausschliesslicher Sinn der Arbeit ist: der Erwerb. Während „Kugelkopf“ und „Ein bewährter Partner“ sich direkt mit der Arbeitswelt auseinander setzen, sind alle anderen Werke radikale Verweigerungen der Mittel-Zweck-Relation; die Beschäftigung ist mühsam, führt aber zu Nichts.

„Hand Catching Lead“ (lead = Blei) reduziert die Arbeit auf eine einfache Geste, die zwar alle Attribute der Arbeit trägt (Material, Schmutz, Anstrengung), deren Zweck aber durch den Ausschnitt nicht erkennbar ist, kaum anders als in der modernen Fabrikation, bei der der Einzelne oft nicht mehr das Produkt kennt, an dem er gerade arbeitet.

Die weisse, lebensspendende Milch in „Untitled (Sex)“ steht in deutlichem Kontrast zu dem giftigen Metall; dennoch wird hier die erste Tätigkeit des Menschen, das Milchtrinken, durch die Umkehrung des Körpers zur Quälerei.

Die absehbar fruchtlosen Bemühungen Baldessaris mit der unbelehr- wie undankbaren Topfpflanze in „Teaching a Plant the Alphabet“ offenbaren den kaum minder grossen Unsinn, der in einem Grossteil menschlicher Arbeit steckt: von EU-Bauern, die ihre Ernte allein für die anschliessende Vernichtung einbringen, über die Herstellung überflüssigster Haushaltsgeräte bis hin zu den Arbeiten, die lieber überhaupt nicht getan werden sollten, wie zum Beispiel militärische. Aktuell verweisen sie auf die Gesellschaft des „lebenslangen Lernens“ und der permanenten Umschulungen.

Die Anpassung des Menschen an den Produktionsablauf, die im Fordismus bis zur Perfektion getrieben wurde, übersteigert Mara Mattuschka indem sie in „Kugelkopf“ ihren Körper zum Bestandteil der Maschine macht. Zwischen rationalisierter Technik und emotionaler Archaik scheint das Individuum zu zerreissen. Um so merkwürdiger ihr Versuch, den fertigen Film an IBM zu verkaufen; weniger erstaunlich dagegen die konsternierte Reaktion der Manager.

In „One Year Performance 1980 - 1981“ ändert sich die Verweigerung ins Existentielle: ein ganzes Jahr, 24h am Tag, im stündlichen Rhythmus der Stechuhr, mit dem einzigen Ergebnis, dass dieses dokumentiert wird. Die totale Hingabe der 168h-Woche steht im Kontrast zur völligen Zwecklosigkeit des Tuns.

Die unendlich gedehnte und dann filmisch komprimierte Erfahrung wird in „Rest Energy“ auf vier Realminuten konzentriert, in der Abramovic vor einem gespannten Sportbogen ihr Leben riskiert.

„Ein bewährter Partner“ ist ursprünglich ein Werbefilm, der Berührungsängste vor dem Computer abbauen („Bewährter Partner“) und die Beschleunigung der Produktionsprozesse propagieren sollte. Er wird im Kopierprozess um ein Vielfaches verlangsamt, dabei in ein rhythmisches, an menschlichen Atem erinnerndes Pulsieren gebracht. Sowohl dieser Wechsel zwischen Licht und Nicht-Licht als auch das auf Schwarz und Weiss reduzierte Material reflektieren den binären Code im Physikalisch-Chemischen; der digitalisierten Maschinenwelt wird ein älteres, hier magisches Weltbild entgegengestellt.

 

Text von

Marcel Schwierin

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