My Private Idoland

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
My Private Idoland
DE 2005

Ein Aspekt privater Glaubenspraxis, die Verehrung eines Idols, ist Gegenstand kritischer Reflexion der ebenfalls in Halle (Saale) ansässigen Künstlerin Denise Rönsch.
Ihr ‚Private Idoland’ entwirft sie um den Politiker und die Privatperson Otto Schily. Dafür hat sie zahlreiche Fotografien, Zeitungsartikel und Videomitschnitte zu Otto Schily gesammelt und archiviert. Neben der Verwendung von dokumentarischem Material und dem Einsatz von Dingen des alltäglichen Gebrauchs setzt Denise Rönsch zugleich fiktive Szenen aus dem Leben Otto Schilys visuell um.
Sie durchspielt virtuos Varianten der Abbildung und Aneignung des Idols und verschiedene mediale Repräsentationsformate, wobei sie sich als Stellvertreterin unterschiedlicher Positionen mit zahlreichen, voneinander abweichenden Motivationen der Idolisierung inszeniert. Die entstandenen Ölbilder, Fanplakate, Fotografien, Objekte und die lebensgroße Schily-Puppe werden schließlich in einer Rauminstallation zusammengetragen. Dieses Arrangement hat gleichermaßen die Qualitäten einer Fan-Ecke, eines Andachtsraumes und eines Devotionalienkabinetts.
Die subjektive Annäherung und Aneignung der öffentlichen Figur Otto Schilys bei gleichzeitig gekonntem Spiel mit einer Vielzahl individueller Äußerungsformen des Starkults und der Verehrung erhebt die Rauminstallation von My Private Idoland (2005/2006) zu einer Begegnungs- und Imaginationsstätte. Sie wird zu einem symbolischen Ort für intime Bekenntnisse und Offenbarungsrituale.
Die mediale Vergötterung von Politikern hat Denise Rönsch in einem kleinen öffentlichen Happening subtil persifliert. Gleich einer einsamen nächtlichen Prozession hat sie kurz vor der Kanzlerwahl im Jahr 2005 auf einem selbst gestalteten Plakat die Person der Verehrung mit sich geführt und auf einer Verkehrsinsel installiert. Bevor Otto Schily nach der Bundestagswahl in die politische Bedeutungslosigkeit einging, wurde ihm in der Stadt Halle (Saale) somit ein temporäres Denkmal geschaffen und das Privileg eines Treueversprechens der besonderen Art zugetragen.

(Angelika Richter: Von Ikonen, Idolen, Avataren und anderen Stellvertretern)

Denise Rönsch, DE 2005, Rauminstallation
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