Meet the People

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4. Werkleitz Biennale real[work]

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Meet the People
US 1986

Es sind offensichtlich Fiktionen des Selbst, die Shelly Silver in ihrer tour-de-force „Meet the People“ beschäftigen. Im Stil eines Video Vérité schneidet sie eine schnelle Folge von Gesprächsfragmenten aneinander, die sich als Interviews herausstellen, die sie mit 14 Personen als typischen RepräsentatInnen des heutigen New Yorks geführt hat: ein Taxifahrer, eine Kellnerin, eine Hausfrau, eine Stripperin, ein italienischer Bauarbeiter, ein schwarzer Armeeoffizier. Die „Charaktere“ blicken in die Kamera während sie als „Talking Heads“ von ihrer Arbeit und ihrem Privatleben, ihren Träumen und Zukunftsvorstellungen erzählen. Die Intimität und Ehrlichkeit ihrer fragmentierten, „autobiografischen“ Erzählungen ist täuschend, am Ende erfährt man durch den Abspann, dass alle 14 SchauspielerInnen sind und in ihren Interviewbeiträgen offenbar dem Drehbuch der Regisseurin gefolgt sind.

„Shelly Silver zeigt wie irreführend und unterhaltsam die vorproduzierten Charaktere des angeblichen TV-Realismus sind, von ihren Kommentaren des „Menschen auf der Straße“ zu den Nachrichten, bis zu den Castings mit „echten Menschen“ in Werbespots. Silver’s gefälschter Dokumentarfilm fragt auch, was das Stereotyp vom Individuum trennt und wie wir einzigartige Charaktere und soziologische Typen konstruieren - die nicht-verbalen Aspekte der Physiognomie, Kleidung, Akzent, Ausdruck etc. als Zusatzinformation zu dem gesprochenen Wort. Silver stellt auf humorvolle Art und Weise die Idee des Authentischen in Frage - zuguterletzt, so scheint es, ist die „persönliche Wahrheit“ eine temporäre und gemeinsam entwickelte Erfindung, eine drei Punkte verbindende Brücke zwischen Schauspieler, Autor-Regisseur und Publikum, im Fernsehen und auf der Straße.“

 

Shelly Silver, US 1986, Video, 16:32 min, col

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