Kulturkopie

Root Event

6. Werkleitz Biennale Common Property / Allgemeingut
Filmprogramm
Kulturkopie
3. 9. 2004

kuratiert von:

Found Footage Filme verwenden im wörtlichen Sinne gefundene Bilder: Archiv-, Fernseh- und Amateurfilmmaterial, das seinem ursprünglichen Kontext entrissen wurde. Als einer der einflussreichsten experimentellen Filmemacher, der fast ausschließlich mit Found Footage arbeitete, kann Bruce Conner gelten. In vielen seiner Filme wird das vom Betrachter geteilte kollektive Bildgedächtnis zum ethnographischen Gegenstand und der sezierenden Hand des Filmemachers unterworfen – eine Arbeitsweise, die Peter Kubelka in seinem Film ‚Unsere Afrikareise‘ (1966) zur Perfektion bringt. Adrian Brunels ‚Crossing the Great Sagrada‘ nutzt bereits 1924 die Aneignung gefundenen Filmmaterials für eine Persiflage auf die britische Gesellschaft und ihre Sehnsüchte nach exotischen Abenteuern.

Brunels frühes Meisterwerk bildet den Auftakt dieses Programms, das einerseits die subversive Kraft der Found Footage Montage, andererseits die wechselseitige Übertragbarkeit und Fabrikation zeitgenössischer kultureller Codes thematisiert. Zum Beispiel reklamiert Kip Fulbeck in seinem Video ‚Lilo & Me‘ (2003) die Urheberschaft bestimmter Disneycharaktere. In seiner Kindheit stellten sie die einzigen, seinem multi-ethnischen Aussehen entsprechenden Identifikationsfiguren dar. Auf humorvolle Weise wird aufgezeigt, welche Rolle Aneignungs- und Kopierprozesse – gleich ob sie autonom entwickelt oder massenmedial gesteuert werden – in der Ausbildung individueller und gesellschaftlicher Identitäten spielen. F. W.

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