Kuhdemonstration

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4. Werkleitz Biennale real[work]
Kuhdemonstration
DE 2000
Kuhdemonstration
© Thomas Bruns
Kuhdemonstration
© Thomas Bruns
Kuhdemonstration
© Thomas Bruns

Tropenkühe geben wenig Milch. Bis 1990 wurde deshalb Milchpulver aus der Überproduktion der DDR gegen kubanische Zuckerrohrprodukte vgetauscht. Jedem Kind ab 10 und allen KubanerInnen über 60 konnte durch dieses Tauschprogramm ein Liter Milch täglich garantiert werden. Nach der „Wiedervereinigung“ wurden die diesem Projekt zugrundeliegenden Verträge mit Kuba durch die Regierung der BRD anulliert. Auf der Weide zwischen Tornitz und Werkleitz ließ Schäfer Kühe gegen entfremdete Arbeit und für die Umverteilung der Überproduktion demonstrieren. Nachdem dieBemalung der Kühe an Problemen der Haltbarkeit scheiterte, wurden für die Kühe lilafarbene Transparente geschneidert. In weißer Farbe trugen sie die Webadresse von Cuba.si!, einer Organisation, die alte und neue Netzwerke zur Unterstützung der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen in Cuba aufrechterhält und verbindet, eine andere Kuh führte ein Zitat des französischen Situationisten Guy Debord spazieren, in dem die Abschaffung entfremdeter Arbeit gefordert wurde.

Der Milchsee und der Butterberg wachsen weiter. Christoph Schäfer geht in der Beobachtung der globalen Produktion von Waren davon aus, dass die objektiven Vorraussetzungen für ein im wesentlichen von Arbeit befreites Leben erfüllt sind. Unter den herrschenden Vorraussetzungen führt die heute erreichte Überproduktion jedoch zur Krise. Wie allen Glaubenssystemen ist es auch dem Neoliberalismus versagt, ein Ausscheren aus der absolut gesetzten Wirtschaftslogik zuzulassen.

Christoph Schäfer arbeitet seit 1989 zu Urbanismus, Themenparks, Mode und Alltag (bis 1996 zusammen mit Cathy Skene). Diesen nicht nur zu interpretieren, sondern zu verändern, ist das Ziel des von ihm gemeinsam mit anderen iniitierten Projektes Park Fiction . In St. Pauli hat Park Fiction seit 1995 die Bebauung des Elbhangs durch alle Behördenebenen hindurch gestoppt und stattdessen einen selbst geplanten Park in Hamburgs ärmsten Stadtteil durchgesetzt. Die von Park Fiction betriebene kollektive Wunschproduktion bewegt sich in genau das Feld hinein, daß die Hauptfront der postfordistischen Kämpfe darstellt: im vollintegrierten Kapitalismus werden alle Gegenstände und alle Ebenen des Bewusstseins vom Warencharakter und vom Fabrikkommando erfasst. Ähnlich wie Schäfers neues Projekt „Revolution Non Stop“ , verweist die Kuhdemonstration auf diesen Vorgang und bedient sich seiner Sprache, ohne bereits einen Weg zur Beseitigung dieser ohnmächtigen Situation vorschlagen zu können.

Christoph Schäfer, DE 2000, Kuhdemonstration

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