Kanak TV: Philharmonie Köln

Root Event

5. Werkleitz Biennale 2002 Zugewinngemeinschaft
Kanak TV: Philharmonie Köln
D 2002

Köln, 06.11.2001. An diesem Tag feierte die Stadt Köln den 40. Jahrestag der Unterzeichnung des ersten Anwerbeabkommens mit der Türkei – mit entsprechend viel Prominenz. Um die reduzierte und reduzierende Anwendung des Kulturbegriffs, die für MigrantInnen reserviert ist, deutlich zu machen, haben wir Fragen, die normalerweise nur an MigrantInnen gestellt werden, an die Deutschen zurückgegeben. Dadurch sollte das scheinbar selbstverständliche Monopol der Deutschen auf den pauschalisierenden Blick auf die „anderen“ nicht nur aufgezeigt, sondern auch ad absurdum geführt werden. Das Interessante dabei ist, dass sich die meisten Deutschen exakt der Argumente bedienten, die viele MigrantInnen über Jahre wiederholt haben, um sich gegen Identitätszuweisung und Vereinheitlichung zur Wehr zu setzen.


Kanak TV agiert dort, wo rassistische Hierarchien zur Norm erklärt werden. Wir weisen jeden Versuch entschieden zurück, MigrantInnen anzuglotzen, zu vermessen und in Kategorien zu pressen. Stattdessen richten wir den Blick auf Alemannen, die es für selbstverständlich halten, andere zu prüfen, zu fragen und in ihrem Blick zu verkleinern. Als wachsamer Begleiter des Alltags verstört Kanak TV gewohnte Sichtweisen und liebgewonnene Rezeptionsmuster. Kanak TV verbreitet Unbehagen unter den Selbstgerechten. Bei Kanak TV gibt es
weder ein befreiendes Lachen noch ein solidarisches Mitgefühl. Trotz allem bringt Kanak TV Menschen zum Lachen. Und je deutscher und
selbstgefälliger das Publikum, desto tiefer bleibt ihnen das Lachen im Halse stecken. Wir, Kanaken, produzieren die längst überfälligen
Gegenbilder zu den ewig gleichbleibenden Bildern von MigrantInnen. Wir konterkarieren die Bilder von den kriminellen Ghetto-Kanaken, schwitzenden Döner-Kanaken oder stummen Kanakinnen mit Kopftuch, die symbolisch für unsere Rückständigkeit und Unterdrückung stehen. Kanak TV ist die Umkehrung des rassistischen Blicks. Aber wir wollen nicht nur den rassistischen Blick und die festgelegten Bilder im Kopf zu Tage bringen. Unser Fokus richtet sich auch darauf, wie Bilder gemacht, manipuliert und eingesetzt werden. Kanak TV entlarvt den medialen Blick als Macht, indem es sich dieses Macht-Blickes bedient. So soll das Machtverhältnis in Frage gestellt, zurückgewiesen und ihm entgegengewirkt werden. (Kanak TV)

Kanak TV (D), 2002, 9 min.

Explore

Überveranstaltung