Jungtierbeute

Root Event

Werkleitz Festival 2011 ZOO
Werkleitz Festival 2011 ZOO
Jungtierbeute
15. 10. bis 23. 10. 2011
Studentische Ausstellung Jungtierbeute, 2011

Eine Ausstellung des Fachgebiets für Zeitbasierte Künste Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Studierende des Fachgebiets für Zeitbasierte Künste der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle haben sich auf Einladung der Werkleitz Gesellschaft mit unterschiedlichen Facetten des Zoos beschäftigt. Im Fokus des Interesses stand sowohl die Architektur der Gehege als auch das Verhalten der Betrachter, den zeichenhaften Bedeutungen von Tieren wurde ebenso wie den konkreten Lebensgeschichten der Tiere im Zoo nachgegangen. Die Frage nach unserer Vorstellung von Natur begleitete die Recherche. In der Ausstellung Jungtierbeute im Bergzoo Halle zeigen die jungen Künstler Arbeiten, die sich sowohl konkret auf den Hallenser Zoo beziehen, als auch den Zoo als Kristallisationspunkt kultureller und gesellschaftlicher Entwicklungen umkreisen. Die Arbeiten, humorvoll und ernsthaft, flüchtig und tiefgreifend zugleich, integrieren sich nahezu unauffällig in die Struktur des Zoos. Die Ausstellung wird von dem Programm 5 x 15 Minuten begleitet, in dem Personen aus unterschiedlichen Feldern eine künstlerische Arbeit und ein mit ihr zusammenhängendes Thema kurz beleuchten.

2 x 15 Minuten
Samstag, 15. Oktober, 16.45 Uhr
Prof. Dr. Dieter Rudolf Knoell: „Adorno und die Gesellschaft der Ziegen“
Stefan Kunzmann: „Das Flüchtige“

3 x 15 Minuten
Sonntag 16. Oktober, 14.45 Uhr
Cord Riechelmann: „Ein aus der Ordnung gefallener Pinguin“
Dr. Arne Moritz: „Liquidität. Oder: Fließt alles? Oder: Wie ein Naturbegriff unser Denken verhext“
Michaela Schweiger: „Das Beobachten der Beobachter“

Treffpunkt für das Programm „5 x 15 Minuten“ ist der Saisoneingang des Zoos, Seebener Straße 172 (Lux Kino am Zoo).

Mimikry

Franka Beck, Performance und Video

verschiedene Orte z. B. Wegränder, Vorsprünge und begehbare Stellen auf dem Gelände des Zoos; Kassenbereich

Jeder kennt die Schilder im Waldgebiet, die einem sagen, dass man nicht die Wege verlassen darf, da sonst die unberührte Natur geschädigt bzw. Wildtiere in ihrer Freiheit aufgescheucht werden. Das Abenteuer nimmt den Weg über den Blick. Im Zoo relativiert sich das Ideal von der schönen Natur und der Horizont verschiebt sich.
Im Einklang sein mit der Natur – Was berührt die Grenze des Authentischen? Wie seltsam ist das Alltägliche? Um sich solchen Fragen zu nähern, ergründet die performative Arbeit Mimikry den Naturzusammenhang im Zoo. Die Kamera fungiert als Korrektiv und Betrachter der Performance.

Obsession

Daniela Grömke, Performance

Ort: Raubtierhaus

Beobachtung verändert, was beobachtet wird!

Stephan Retzlaff, Photoarbeit

Ort: Raubtierhaus, Seebärenanlage, Kleintierhaus,Fasanerie, Schimpansenhaus

„Beachten Sie die Absperrungen, sie dienen Ihrer Sicherheit. Es ist nicht erlaubt, die Besucherwege zu verlassen, Geländer zu übersteigen, sich auf ihnen niederzulassen oder über sie hinweg zu greifen oder durch den Draht in Gehege oder Volieren hineinzugreifen.“ (Besucherordnung Zoologischer Garten Halle)
In dieser Arbeit wurden Grünlagen betreten, Sicherheitsgitter überstiegen und Besucherwege verlassen. Auf diese Weise wird ein ungewöhnlicher Blick auf Halles Bergzoo geworfen. Aus der Sicht der Tiere wird so die Situation vor dem Gehege zum Objekt der Beobachtung. Entdecken Sie den schönsten Bergzoo Deutschlands aus einer neuen Perspektive.

Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Caro Sell, Video

Ort: Raubtierhaus

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Theodor W. Adorno) 

In was für einer Gesellschaft leben wir? Welche Rolle spielen wir in ihr? Und was haben die Ziegen im Zoo damit zu tun?

Da in der Vergangenheit immer wieder in unterschiedlichsten Experimenten bewiesen wurde, dass Ziegen, entgegen der weitläufigen Meinung, ganz und gar nicht dumm sind, sondern eher bestätigt wurde, dass sie sehr intelligent sind und sogar zählen können, habe ich mich entschlossen, den Ziegen im Streichel-Gehege Adornos „Reflexionen zur Klassentheorie“ vorzulesen.
Der Sozialphilosoph analysierte in diesem Aufsatz unser gesellschaftliches System in Bezug auf die Marxistische Theorie und erklärt, warum wir heute immer noch in einer Klassengesellschaft leben und warum sich das so schnell nicht ändern wird. Ich finde es heute sehr wichtig, verstärkt über alternative Gesellschaftsformen nachzudenken. Dabei ist es notwendig, auf die Vergangenheit einzugehen und zu erörtern, wie unser derzeitiges System entstanden ist. Adornos Gedanken sollten dabei nicht übergangen werden, denn er hat auf diesem Gebiet einiges erarbeitet, was uns, den Menschen in dieser Gesellschaft, die Augen öffnen könnte. Doch vielleicht sind wir ja genauso, wie auch die Ziegen, von Natur aus auf Hierarchien angewiesen, damit wir überhaupt in einer Gemeinschaft geordnet miteinander leben können…

Hedwig

Eva Storms, Buch, Installation

Ort: Schimpansenhaus

Im Zoo hat jedes Tier seinen festgelegten, scheinbar unverrückbar, zugewiesenen Platz. Alles scheint seinen Ort zu haben, alles hat seine Ordnung. Hedwig, ein Humboldt-pinguin, ist im Alter von zwei Jahren aus der Ordnung gefallen. Hedwig ist nicht nur aus ihrer Art gefallen, sie erfüllt auch die eigentlichen Kriterien eines Zootieres nicht. Dadurch, dass sie nicht mehr auf der ihr eigentlich zugewiesenen Anlage lebt, öffnet sie die Grenzen des sonst so eingegrenzten und begrenzten Zoolebens. Hedwig ist ein außergewöhnliches Zootier. Ihre Eigenart und ihre Einzigartigkeit machen ihre Geschichte zu einer besonderen. Durch den Verlust einer wichtigen Sinnesfunktion musste sie, für sich, eine neue Ordnung schaffen. Unsere gängigen Vorstellungen von Zu-Ordnung und Funktionieren werden in Frage gestellt.

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