Jerusalem, min elskede / Jerusalem My Love

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Jerusalem, min elskede / Jerusalem My Love
DK 2003

Jerusalem My Love ist ein Film über die kompromisslose Glaubensnatur Jerusalems. Die Suche des Regisseurs nach seinem eigenen Glauben wird zu einer ‚kleinen Geschichte‘, in welcher sich die ‚große Geschichte‘ Jerusalems spiegelt – eine Geschichte über Verlust, Unterdrückung und Liebe. Die ‚äußere‘ Handlung des Films folgt den ‚Propheten‘ bei ihrer täglichen Arbeit im Zentrum der Gewalt in Jerusalem. Jeder repräsentiert eine der drei monotheistischen Religionen der Stadt. Drei verschiedene und im Grunde doch nicht sehr verschiedene Männer sind die Protagonisten: Israel, der jüdische Wohlfahrtsarbeiter; Muhammad, der muslimische Beauftragte für die Wiedereingliederung von ehemals Drogenabhängigen; und Ted, der amerikanische Straßenprediger. Alle drei schlagen dem Regisseur einen anderen Weg vor. Die ‚innere‘ Handlung folgt dem existentiellen Streben des Regisseurs zu entdecken, worin Glaube besteht. Der Film zeigt, wie er sich hypnotisieren lässt – auf der Suche nach einer Erklärung dafür, warum sein geliebtes Jerusalem und diese Männer ihn dazu gebracht haben, seinen Glauben zu verlieren.

Zwischen heiligem Ernst und deftiger Komik oszillierend, zeichnet Jeppe Røndes sehr persönlicher Essay den Versuch auf, seinen Glauben durch die Begegnung mit Propheten und Predigern wiederzufinden – in einem Land, welches Vielen heilig ist. In der Anfangsszene lernt man Jeppe Rønde selbst kennen, einen intellektuellen Typen mit wilden Augen, der sich drehbuchmäßig mit einem Therapeuten darüber unterhält, dass er seinen Glauben bei einer früheren Reise nach Jerusalem verloren hat, wo er einen Kurzfilm, Dancing in the Midst of War, drehte. Er spielt auf langwieriges Hadern mit seiner traumatischen Kindheit an, die ein alkoholabhängiger Vater beherrschte. Unter Hypnose beschwört Rønde Erinnerungen an Jerusalem, zunächst in verlangsamten, bei Nacht gedrehten Bildern von jemandem, der durch kopfsteingepflasterte Straßen rennt. Die folgenden Kapitel werden durch Bibelzitate eingeleitet, offenbar Erinnerungen an eine weitere Reise in jene Metropole des Nahen Ostens, wo „jeder glaubt”, wie Rønde idealistisch bemerkt. Als meist aus dem Off agierender Erzähler wirkt Rønde zunächst wie ein ziemlich humorloser, nüchterner Skandinavier. Aber er erscheint als klarer, aufrechter Mann, je weiser, geistreicher und sogar je verrückter die Leute sind, denen er begegnet. Keine einfachen Antworten werden präsentiert und eine Lösung gibt es nur auf einer sehr persönlichen Ebene, wenn Rønde auf der Couch des Therapeuten deklamiert, dass er nicht weiß, ob es einen Gott gibt, „aber es ist wichtig für mich so zu handeln, als gäbe es ihn”.

 (http://biennale2006.werkleitz.de/html_de/pro_sa_ronde.html#sp3)

Jeppe Rønde, DK 2003, 73 min, dänisch mit engl UT

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