Jeder kann alles werden II

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Filmprogramm
Jeder kann alles werden II
19. 10. 2013
22. 10. 2013

kuratiert von:

anwesend:

Stefan Panhans (FilmemacherIn)

Vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt der letzten 20 Jahre reflektiert Jeder kann alles werden II die Möglichkeiten und Grenzen selbstbestimmten Daseins. Das Programm ist als direkter Anschluss zu Jeder kann alles werden I konzipiert und führt die zeitliche Achse über die Wende 1989/90 und die Folgejahre im Postsozialismus bis in die Gegenwart fort. In Tibor Hajas’ legendärem Film Öndivatbemutató (Self Fashion Show) von 1976 kommentiert der Filmemacher nachträglich die öffentlichen Gesten seiner Protagonisten vor der Kamera und entlarvt damit das ambivalente Verhältnis von individueller Selbstdarstellung und sozialer Kontrolle. Anri Sala konfrontiert in Intervista (Finding the Words), einem frühen Video des Künstlers von 1998, seine eigene Mutter mit ihrer Vergangenheit als überzeugte Jungkommunistin, die sie verdrängt hatte. „Wir konnten leben, uns verlieben, Kinder kriegen“, beschreibt sie im Rückblick die Alltagserfahrung und Überlebensstrategie im „taubstummen“ System Albaniens. Christian Petzolds Ostwärts (1990) dokumentiert ein Stück des „wilden Ostens“ Ende des Jahres 1990, als in der ehemaligen DDR für Geschäftemacher, Glücksuchende und Kreative alles möglich schien, die Härten des Umbruchs aber bereits diejenigen trafen, die fortan nicht mehr „konkurrenzfähig“ waren. Stefan Panhans thematisiert in Sieben bis zehn Millionen (2005) das Stress- und Erlösungspotential zeitgenössischer Konsumkultur. In einem  wahnwitzigen Monolog wird die triviale Kaufentscheidung zur Existenzfrage überhöht. Der politisierte Arbeiter oder Bürger hat sich hier längst in den Konsumenten verwandelt, der den Maßstab für das Gemeinwohl liefert.

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