Ich?

Root Event

Videokunst- und Kurzfilmfest Facing the Artwork
Ich?
11. 6. 2011

anwesend:

Kika Nicolela (KünstlerIn)
,
Eszter Szabó (KünstlerIn)
Maria © Eszter Szabó

Dieses Programm hätte auch mit einem Ausrufezeichen bekräftigt werden können. Denn es erfordert erst einmal Selbstbewusstsein, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Aber die Suche nach dem (künstlerischen) Ich ist meistens ein nachdenkliche Reise, egal wie humorvoll oder experimentell sie durchgeführt wird. Das Sich-Hinterfragen ist der Keilriemen, der den Zuschauer antreibt, nicht nur Voyeur zu sein. Die große Frage nach der Identität des Künstlers wird in diesem Programm in einem Road-Movie, in einem Dialog und in einem Selbstgespräch vor der Kamera untersucht.

„Ich?“ beginnt mit einem Video, welches ebenfalls ein Fragezeichen im Titel trägt: „What Do You Think Of Me?“ Es beginnt wie ein Selbstportrait der brasilianischen Künstlerin vor der Kamera, aber es stellt sich heraus, dass sie von verschiedenen Personen aus Finnland aufgenommen wird, die sie aus dem Off beschreiben und mit ihr in Dialog treten. Eine Reise ohne sich vom Platz zu bewegen, auf der unterschiedliche Sichtweisen über kulturelle und geografische Grenzen hinweg beobachtet werden können.

„Dresden Hand“ ist ein Reisefilm ganz anderer Art: Eine Collage aus Texten und teils surrealistischen Kameraaufnahmen reflektiert den Aufenthalt des bulgarischen Künstlers in Dresden. Fast wie ein Blinder erforscht er mit seiner Hand in Großaufnahme die Details der Stadt, die er mit ebensolch ironischen Textkommentaren begleitet.

Ironisch in ihrer Ernsthaftigkeit ist auch „Maria“, ein gemaltes Portrait, das mit sich und seiner Malerin nicht zufrieden ist und mit Referenzen zu besser gelungenen Portraits ihrer Freunde in Kürze eine ganze imaginäre Ölbilderwelt zum Leben erweckt. Eine einfache Animation, die die Kraft der bewegten Bilder gerade mit ihren sparsamen Bewegungen zelebriert.

Die Frage nach dem Künstler(innen)dasein stellt der „Film about Unknown Artist“, der schon im Titel ein grundlegendes Paradox aufzeigt. Woher kommt das Selbstbewusstsein Künstler zu sein? Woher kommt die Inspiration, die Magie der Kunst? In einem Road-Movie über ihre Heimat Litauen erforscht die Künstlerin in ikonenhaften Super-8-Bildern persönliche, religiöse und nationale Symbole.

Den Fragen nach Kunst und Persönlichkeit geht der letzte Beitrag des Programmes, „Lecture (Contemporary Art for Parents)“ im direkten Dialog nach. Die Künstlerin redet mit ihren Eltern über die internationale Kunstszene und die Gründe, sich mit Kunst zu beschäftigen. Eine unterhaltsame Lehrstunde, die nicht nur für die Angehörigen, sondern für alle Kunstinteressierte inszeniert ist.

Text von

Eike Berg

Explore