Hallezeichnung

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Hallezeichnung
RO 2006

Meine Zeichnungen sehen spontan aus, sind es aber nicht.
Für jedes Projekt zeichne ich zwei bis drei Skizzenbücher voll. In jedem Skizzenbuch sind 150 Zeichnungen. Von diesen 150 wähle ich 30 aus, die auf die Wand projiziert werden. Von den 60 neuen Zeichnungen kommen 5 ins Repertoire. Die Zeichnungen im Repertoire sind universell. Jeder wird sie verstehen, mögen und sich darauf berufen. Ich zeichne sie für neue Situationen ab. Neue Zeichnungen abzeichnen. Manchmal stellen sie die größte Gruppe dar (wenn die Situation keine Herausforderung ist, ich keine Zeit habe oder einfach zu faul bin). Bei anderen Gelegenheiten bilden sie die Struktur für neu dazukommende Bilder. Die Zeichnungen im Repertoire sind mein harter Kern. Der Rest wird verschwinden, genau wie die Geschichten, die sie hervorbringen. Manche der Zeichnungen, die ich gemacht habe, verstehe ich jetzt nicht mehr. Ich habe das Thema vergessen, die Namen, ich weiß nicht worum’s darin überhaupt geht.
Eine neue Ausstellung bringt 20 Prozent der nächsten Ausstellung hervor, und so weiter. Schwarzer Filzstift, weiße Kreide, dünner Bleistift, Fußboden, Wände, Decken, Fenster, Zeitungen … Ich bewege meine Zeichnungen immer von einem Kontext zu einem anderen. Dieselben Bilder, anderes Publikum. Hier entsteht eine neue Wandzeichnung, dort wird eine andere wiederholt. Lyon fängt an, Paris ist vorbei. Goodbye Lissabon, Willkommen Santiago de Chile. Das Repertoire ist vage und virtuell. Neue Zeichnungen kommen rein, alte verschwinden. Eine Art Vokabular der Erinnerung.
Wenn ich mich erinnere, spreche ich.
Dan Perjovschi

Dan Perjovschi, RO 2006, Wandzeichnungen
Courtesy the artist

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