Grenzpunkt Null

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Werkleitz Festival 2008 Amerika

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Fluchtpunkt San Francisco/Vanishing Point
Grenzpunkt Null
23. 10. 2008

Grenzpunkt Null

Filmvorführung,  im Anschluss Radiotalk mit Rex Joswig und Thorsten Megow

Highway, Girls and Drugs. Vanishing Point von Regisseur Richard C. Sarafian zollt dem B-Movie-Genre Tribut. Der Film erschien 1971 in den USA und lief im selben Jahr unter dem Titel Fluchtpunkt San Francisco auch in der Bundesrepublik an. Erst 1975 kam er als Grenzpunkt Null in die DDR-Kinos und hinterließ dort bei den Zuschauern bis heute abrufbare Erinnerungen. Grenzpunkt Null besaß Kultstatus in der DDR und findet im vereinten Deutschland wegen des weißen Wagens, einem Dodge Challenger, mit dem der Filmheld unterwegs ist, Anerkennung auf Motorsportseiten (www. famouscars.de).


Der Protagonist des Films heißt Kowalski (Barry Newman). Er ist  Vietnamkriegsveteran, Ex-Polizist und Ex-Rennfahrer in einer Person – ein Archetyp des amerikanischen Films. Er überführt Autos quer durch die Staaten und schließt mitunter Wetten ab, in welcher Zeit er die jeweiligen Strecken zurücklegen wird. Bei seiner letzten Fahrt verfolgt ihn die Polizei auf dem Weg nach Kalifornien. Doch der blinde Radio-DJ Super Soul (Cleavon Little) hilft: Er hört den Polizeifunk ab und gibt Kowalski über das Radio und telepathisch Tipps zu den Verfolgern. Während alle Fluchthelfer Kowalskis, Biker, Alt-Hippies und der schwarze DJ, stellvertretend für die Opposition in den USA stehen, wirkt der Hedonist Kowalski nahezu unpolitisch – auch wenn es seine Courage war, die ihn einst in den Konflikt mit dem Polizeidienst brachte. Ohnehin werden Vertreter der Polizei im Film als erschütternd rassistisch dargestellt.


Wie erklärt sich die anhaltende Faszination für heutige, in der DDR sozialisierte Mitvierziger? Thorsten Megow, 1964 in Wolgast geboren, hat den Film 1977 heimlich als Dreizehnjähriger im Zeltkino gesehen. 2002 stellte er seine eigene Fanseite zum Film ins Netz mit Filmsequenz, DDR-Kinoplakat und einem aufschlussreichen Interview, in dem der Stuntkoordinator von Vanishing Point zu Wort kommt (www. hansego.de).
Dachte Rex Joswig, der 1962 in Anklam geborene Gründer der DDR-Band „Herbst in Peking“, an die Rolle des DJ Super Soul, als er 1992 seine eigene Radioshow auf dem Radiosender DT64 „Grenzpunkt Null“ nannte? Oder träumte er jahrelang davon in der Sonne Kaliforniens angekommen zu sein und hat es wie Kowalski nie geschafft? Beide, Thorsten Megow und Rex Joswig, sind als Festivalgäste zum Radiotalk in das Zazi-Kino eingeladen. Dort findet die Radioshow im Anschluss an die Vorführung von Grenzpunkt Null statt und wird live aus der Zazie-Bar über Radio Corax auf UKW 95,9 übertragen. Rex Joswig, erklärter Anhänger von The Doors, wird obendrein Musik auflegen. Und soweit sich „Break on through – to the other Side“ auf das Ende von Grenzpunkt Null beziehen lässt, stellt sich die Frage: Hat es Kowalski am Ende doch geschafft?

Während das Hamburger Abendblatt in Quentin Tarantinos Death Proof eindeutige Reminiszenzen an Vanishing Point erkennt, ist an anderer Stelle sogar von einer Hommage die Rede. Der Spiegel schreibt in seiner  Death-Proof-Rezension über den weißen Dodge Challenger  als „demselben Traumgefährt“ wie in Vanishing Point. Und die taz läßt Kim, eine der Heldinnen aus Death Proof, noch einmal wie im Film antworten: „Die meisten Frauen kennen Vanishing Point nicht. “

Richard C. Sarafian, USA 1971, 94min

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