Glücklich vereint

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6. Werkleitz Biennale Common Property / Allgemeingut
Filmprogramm
Glücklich vereint
5. 9. 2004

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‚Glücklich vereint‘ ist ein ironischer Kommentar auf die einseitige Vorstellung von glücklicher und identitätsstiftender Gemeinschaft, wie sie zum Beispiel von Lifestyle-Konzepten oder staatlichen Programmen propagiert wird. Nicht selten steht dazu die Realität in deutlichem Gegensatz, wird ausgeblendet oder dient als negative Folie für die Projektion einer besseren Welt.

Im Kontext des wirtschaftlichen Aufschwungs und neuer Sozialgesetze in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg beschreibt der kanadische Lehrfilm ‚Fitness Is a Family Affair‘ (1948) den Nutzen nachbarschaftlicher Aktivitäten, um die Menschen zu mehr Eigeninitiative in ihrer Freizeit anzuregen. Ganz im demokratischen Sinne wird selbst ein lethargischer Familienvater zum gemeinschaftlichen Engagement überredet. Die Uniformität zeitgenössischer Gated Communities als Perfektion des suburbanen ‚American Way of Life‘ hat stattdessen für Outsider wenig Verständnis. Hinter den Kulissen des schönen Scheins herrscht ein exklusives und starres Ordnungssystem, das zu einem Nebeneinander vereinsamter und isolierter Individuen führt. So klingt die Selbstbeschreibung einer ‚erfolgreichen Familie‘ in Corinna Schnitts ‚Living a Beautiful Life‘ (2003) nicht viel anders als die wiederholte Aufzählung verinnerlichter Werbeslogans.

An den Inbegriff früher Mädchenträume erinnert Alina Rudnitskayas dokumentarisches Porträt der ‚Amazons‘ (2003). Das gemeinsame Leben und Arbeiten mit Pferden inmitten des hektischen Großstadtlebens folgt eigenen Regeln und Hierarchien. Die Reiterinnen vertreten innerhalb des Programms ein charmant anachronistisches Beispiel für die Schaffung von Freiheiten abseits der Normen und Konformitäten des modernen Lebens. A. C.

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