global [work] - Roger & die Cybraceros

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global [work] - Roger & die Cybraceros
7. 7. 2000
D 2000

Michael Moore schildert in seinem brilliant komischen Dokumentarfilm den Niedergang der Autostadt Flint nachdem General Motors dort das zentrale Werk nach Mexiko verlegt hat. Die gleichermassen verzweifelten wie hoffnungslosen Bemühungen der Stadt, aus dem verlassenen Industriezentrum doch noch etwas Verwertbares im Sinne des modernen Unterhaltungsbusiness zu machen, ein Luxushotel, eine Shopping-Mall, schliesslich eine „AutoWorld“, erinnern nicht nur an manch ähnliche Projekte in Deutschland, sondern auch an die bizarr anmutenden Versuche, Langzeitarbeitslose zu Informatikgenies umzuschulen.

Fraglich bleibt jedoch, ob seine präzise Situationsbeschreibung vor Ort der Komplexität globaler Probleme wirklich gerecht zu werden vermag (wie sich das Medium Film überhaupt schwer tut, die mehr und mehr immateriell werdenden Wirtschafts- und Arbeitsprozesse darzustellen; vergleiche hierzu auch Baumgärtel 1). So wäre durchaus zu diskutieren, ob die Arbeitsplätze im armen Mexiko nicht sehr viel nötiger sind als in den überreichen USA. Der Manager „Roger“, den er nach amerikanischer Pioniersart als allein verantwortlichen Schurken zum medialen Showdown Mann gegen Mann fordert, ist letztlich den selben Marktgesetzen unterworfen wie die von ihm entlassenen Arbeiter; wobei im Spekulationszeitalter die tatsächliche Relevanz einer Standortverlagerung kaum noch eine Rolle zu spielen scheint, weit mehr dagegen ihre Wirkung auf die hypernervöse Anlegerpsyche.

„Why Cybraceros?“ entwickelt eine grundsätzlich andere Sicht auf die Problematik der Globalisierung; nicht die allmächtigen und wie Politiker leicht zu verdammenden Wirtschaftstycoone, sondern die amerikanische Gesellschaft als Ganzes werden von Alex Rivera in die Verantwortung genommen. Ihr schizophrener Wunsch nach Billigstarbeitern für nicht-rationalisierbare Drecksarbeit bei gleichzeitiger, aggressiver Verteidigung ethnischer Homogenität ist ein in Deutschland ebenfalls nur allzu bekanntes Phänomen.

1 Baumgärtel, Tilman: „You’ve just been erased!“ In: Katalog Sub Fiction, Band 2. Werkleitz 1998

Text von

Marcel Schwierin

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