Gesunder Menschenverstand

Root Event

Videokunst- und Kurzfilmfest Facing the Artwork
Gesunder Menschenverstand
10. 6. 2011

anwesend:

Dávid Adamkó (KünstlerIn)
,
Adrian Alecu (KünstlerIn)
Kunstdefinitionen © Yuri A

Was ermöglicht Laien, Kunst als solches wahrzunehmen und sich über sie auszutauschen? Arthur C. Danto schreibt in seinem Werk Die Verklärung des Gewöhnlichen, dass es kaum eindeutig entscheidbar sei, ob ein gewisser Gegenstand zu der „Menge“ der Kunst gehört oder nicht. Ein Satz, wie „X ist ein Kunstwerk“ diene nicht dazu, etwas über den Gegenstand auszusagen, sondern bringe unsere Gefühle dem Gegenstand gegenüber zum Ausdruck.

Was in einem Zeitalter, in einer Gesellschaft oder in einer Subkultur über Kunst gedacht, mit Kunst in Zusammenhang gebracht, was als künstlerische Leistung geschätzt wird, charakterisiert das jeweilige Kunstpublikum, die jeweiligen Rezipienten. Wo Unterscheidungen und Überlappungen zwischen Hochkultur und Popkultur thematisiert werden, ist immer gesellschaftskritische Schärfe zu spüren bzw. ein kritischer Blick auf die gesellschaftsferne Kunst, auf die Kunst als „Selbstzweck”. Man wird immer wieder daran erinnert, dass die Definitionen und die Begrifflichkeiten, mit denen man über Kunst und Kultur im Alltag nachdenkt oder spricht, im Allgemeinen stärker von popkulturellen, als von hochkulturellen Strömungen geprägt sind.

In „Air“ wird über die Maniertheit und den Unsinn der abgehobenen Sprache gespottet, die teilweise unter den „Bewohnern der Kunstwelt” gesprochen wird. Die Autoren berichten in Form eines fiktiven Dokumentarfilmes über die Entstehung eines Kunstwerkes. Sie benutzen dabei gängige Darstellungsformen der Fernsehreportage, eine der offiziellen visuellen Sprachen der Massenmedien. Sie balancieren dabei auf der Grenze zwischen Glaubwürdigkeit und Unglaubwürdigkeit.

„The man who was everywhere II.“ kann als Beispiel für den direkten Kontakt zwischen Performer und Rezipient verstanden werden. Die Performer berichten über den Prozess einer Kunstaktion im öffentlichen Raum und über die Reaktionen der Passanten, die, ohne es zu merken, zu Rezipienten werden. Während der Aktion sind die Performer ständig mit den Reaktionen der Passanten konfrontiert. Sie rezipieren und interpretieren diese und sind dabei Zuschauer der Zuschauer.

In „Kunst und Gesellschaft I-III“ verwendet Sebastian Blank die Machinima-Technik, was bedeutet, dass er seinen Film mit Hilfe eines Computerspiel-Engines generiert hat. Im Namen der Kunst erzeugt er Störungen in der Paralellwelt der Unterhaltung.

Dávid Adamkó und Adrian Alecu arbeiten auch mit vorhandenem massenkulturellen Material. In „FTTSZT (s. r. a. w. rats)” von Adamkó wurde ein beliebter ungarischer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1980 bearbeitet. Das unangenehme Niesen der Protagonisten wird auf einmal als künstlerische Begabung entdeckt, was nicht nur gesellschaftliche Anerkennung sondern auch Erwartungen erzeugt.

Alecus originelle Aufnahmen in „Bukarest 1992” sind amateur- und home Videos aus Rumänien. Die neue, günstige Technik wurde einerseits zur Dokumentation des Privatlebens, andererseits aber auch für kreative Zwecke genutzt – die technische Entwicklung machte es möglich, aus der passiven Konsumenten-Rolle herauszutreten und, von zeitgenössischen Aktionfilmen inspiriert, selbst zum Filmemacher zu werden.

Letztlich zeigt Yuri A fünf Versuche, den Begriff ’Kunst’ zu definieren. Diese reichen von Schweigen über die Assoziationen eines Bodybilders bis hin zu kunstphilosophischen Zitaten und Formulierungen, die aus einem Lexikon stammen könnten. Aus den unterschiedlichen Herangehensweisen, die durch die überzeichneten Figuren verkörpert werden, entsteht ein absurdes, chaotisches Gesamtbild der Verwirrung und inkompatibler Begrifflichkeiten. Alle Versuche, eine eindeutige, universelle Definition zu finden, sind zum Scheitern verurteilt.

Text von

Virág Bottlik

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