Gesammeltes Wissen

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6. Werkleitz Biennale Common Property / Allgemeingut
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Gesammeltes Wissen
1. 9. 2004

kuratiert von:

Im Juli 2004 erschien im Internetmagazin ‚Perlentaucher‘ Rüdiger Wischenbarts Artikel ‚Wissenschaft ist kein Freibier‘, in dem er den irischen Wissenschaftler Antoine O‘ Lachtnain zitiert, der sich darüber beklagt, dass das fast monopolisierte Wissenschafts-Verlagswesen sich vollkommen unentgeltlich die Erstdruckrechte von WissenschaftlerInnen sichert, um die Zeitschriften, in denen die Artikel erschienen, schließlich zu inflationären Preisen an WissenschaftlerInnen und Universitätsbibliotheken ‚zurück‘ zu verkaufen. Die Wissenschaftsverlage, die sich zunehmend durch die freie Distribution von Wissen im Netz bedroht fühlen, schafften innerhalb der letzten 15 Jahre eine Preissteigerung von 215 Prozent.

Der Artikel gibt Einblick in eine symptomatische Entwicklung, die sich inzwischen in ganzen (legislativen) Kreuzzügen gegen die Open Access-Praxis der InternetnutzerInnen richtet. Information und Wissen wird von vielen WirtschaftsexpertInnen als Kapital der Zukunft benannt. Wissen wird mehr und mehr als ökonomisierte Ware gehandelt denn als öffentliches Gut angesehen, ungeachtet dessen, um welche Art der Information es sich handelt und woher sie stammt.

Die Diskussion um File-Sharing und Open Access wird um so komplexer, wenn die Notwendigkeit eines Pools von kulturellen Allgemeingütern für die kulturelle Evolution gar nicht erst erkannt wird. Filme und Musik hatten es beispielsweise von jeher schwer, in ihrer Bewertung als Wissensträger überhaupt akzeptiert zu werden. Unabhängig von der Klassifizierung zeitgenössischer Produktionen – etwa in Hoch- und Populärkultur – stellt sich die Frage, wer Zugang zu welchen Informationen und welchem Wissen besitzt, und darüber hinaus, wer Informationen qualitativ bewertet und damit dafür sorgt, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben.

Die Demarkationslinie zwischen denjenigen, die sich diesen Zugang leisten können und denjenigen, die davon ausgeschlossen werden, verläuft nicht nur zwischen der sogenannten ersten und dritten Welt, sondern verstärkt auch innerhalb der führenden Wirtschaftsländer. Die öffentlichen Gelder reichen nicht mehr für Neuanschaffungen in den Bibliotheken, Universitäten können sich keine Software-Updates leisten und ‚kleine‘ AutorInnen, deren vermeintliche Interessen von den Copyright-Lobbyisten rhetorisch vorgeschoben werden, stehen sowieso mit einem Fuß im Gefängnis – ob der kopierten Software, die sie zum Arbeiten benutzen, aber nicht bezahlen können.

‚Gesammeltes Wissen‘ beschäftigt sich mit der Bewahrung, Vermittlung und der Restriktion von Wissen auf unterschiedlichen medialen Trägern: von der Pariser Nationalbibliothek, in Alain Resnais Film von 1956 achtungsvoll als ‚Alles Gedächtnis der Welt‘ bezeichnet, bis zu Diskursen über das „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ in der New Yorker Videokunstszene. P. Z.

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