Folkets Park

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Folkets Park
SE 2006

Folkets Park
Annika Erikssons Projekte setzen sich in der Regel mit Bühnen auseinander und speziell damit, was passiert, wenn auf ihnen Menschen mit unterschiedlichen Verhaltenskodizes aufeinander treffen. Sie schafft inszenierte Situationen, um so zwischen öffentlichen und privaten Beziehungen unvorhersehbare Verknüpfungen entstehen oder sie einander kontrastieren zu lassen, um mittels der performativen Vorführung unter der Oberfläche liegende soziale Relationen zwischen den ungeschulten ,Schauspielern‘ zum Vorschein zu bringen. Je nach Inhalt und Kontext schafft Eriksson auch Bühnen für fehlende Beziehungen und dokumentiert die Situation in Form von Videoaufnahmen, oder aber sie inszeniert Live-Situationen.
In ihrem Projekt für die Werkleitz Biennale hat Eriksson in Malmö ein neues Projekt für Halle entwickelt. Sie bezieht sich dabei auf den Folkets Park, einen Erholungspark für die Malmöer Arbeiterschaft, der aus einer Vorstellung heraus entstand, die im frühen 19. Jahrhundert in Schweden immer stärkere Züge gewann. Es war ein Konzept, das ein erstaunliches politisches Bewusstsein kennzeichnete: der Wunsch nach einer für jedermann zugänglichen Freifläche. Daneben hatte es den Zweck, ein Erholungsgelände zu schaffen, das eine Alternative zu den zahllosen Bierlokalen der Stadt bieten sollte. Die Anlage blieb jedoch nur eine Idee von Leuten, denen es an Mitteln und Unterstützung fehlte, um das, was sie sich ausgemalt hatten, jemals verwirklichen zu können. Doch ungeachtet dieser düsteren Perspektiven setzten die Arbeiter ihre Anstrengungen fort, ein entsprechendes Areal zu finden, einen Park für das Volk. Schließlich waren es ihre privaten Ersparnisse, die das heute noch existierende Projekt Wirklichkeit und zum Symbol für eine erfolgreich imaginierte Zukunft werden ließen.“ (Annika Eriksson)

In den vergangenen zehn Jahren hat Eriksson verschiedene Gruppen wie zum Beispiel Orchester von Postbediensteten oder auch Museumspersonal (etwa in Stockholm, London und Tokio) in Szene gesetzt, deren gefilmte Porträts die Verhaltensgegensätze zwischen den Individuen der Gruppe bei der Arbeit festhalten. Sie hat gemeinsame Improvisationen von brasilianischen Musikgruppen mit verschiedenen Stilen – Rap und Repente – auf die Beine gestellt, wobei im Laufe der Jamsessions ein funktionierender dritter Stil herauskam. Auf der ‚Frieze Art Fair 2004’ präsententierte sie Do You Want an Audience?, wo sie zwischen den Galerieständen eine Speaker’s Corner einrichtete. Hier war jeder, der sich von der öffentlich gestellten Frage „Wollen Sie ein Publikum?“ angesprochen fühlte, eingeladen, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen. Leute kamen auf die Bühne und gaben öffentliche Kochkurse, Gesangsamateure brachten nach einem Auftritt professioneller Bauchtänzerinnen ein Ständchen usw. Auf diese Weise hat Eriksson diverse neue Möglichkeiten für performative Werke entwickelt, bei denen die Arbeitsprozesse selbst neue soziale Parallelen erzeugen.

(Solvej Helweg Ovesen: Der Thron bleibt leer)

Annika Eriksson, SE 2006, Video, 5 min
Courtesy the artist

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