Familie Strassburger, Dresden

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4. Werkleitz Biennale real[work]

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Familie Strassburger, Dresden
US/DDR 1987

Über meine Videoarbeit in der DDR

Im Sommer 1985 lernte ich Claus Kuchenmeister an einem Seminar fur amerikanische Germanisten in New York State kennen. Ich erzählte ihm meine Idee für ein Videoprojekt über das Alltagsleben in der DDR. Zu der Zeit gab es kaum etwas darüber. Der Sinn der Sache war, die Feindbilder abzubauen. Mein Projekt interessierte ihn, und im Sommer 1986 ermöglichte er mir, in die DDR zu reisen. Ein Stipendium von der Rockefeller Stiftung finanzierte das Projekt.


Die ersten Interviews machten wir gemeinsam, die weiteren fanden in Zusammenarbeit mit dem IPZ 1 statt. Ein Interview war in Dresden, mit der Familie Strassburger. Zurück in Berlin sagte ich meinem Begleiter Hannes, dass ich gleich nach Hause fliegen könnte, sollten wir weiterhin nur solche Interviews bekommen. Wir müssten auch spontane Interviews machen, nicht nur vermittelte. Ich gab ihm eine halbe Stunde, eine Entscheidung zu treffen. Als ich aus der Foyerbar zurückkam, sagte er Ok, was mich ziemlich überraschte. Ich wusste zu der Zeit nicht, dass Hannes, der verheiratet und bei der Stasi war, eine Freundin hatte. Nach unserem Abkommen arbeiteten wir zwei Sommer lang recht kollegial. Hannes selber machte ein sehr schönes Interview. Schliesslich wurde er erwischt. Die „Firma“ gab ihm die Wahl: Frau oder Arbeit. Er nahm die Frau und wurde entlassen. Die Liga für Völkerfreundschaft bot mir daraufhin ihre Unterstützung an. Im Winter 1987 machte ich weitere Interviews, u. a. mit Jacob Korbmacher, Daniela Dahn, Kuczinski und dem Wiener Cafe. Der Leiter der Abteilung DDR-USA war mit Kuczinskis Aussagen sehr unzufrieden und verlangte ein Gegeninterview, um diese Aussagen zu widerlegen. Ich lehnte ab. ER sah dann keine Möglichkeit mehr, um weiter zusammenzuarbeiten. So endete meine Videoarbeit in der DDR.

 

Bill Meyers, US/DDR 1987, Video, 20 min, col

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